Das ist mehr als nur eine Party
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Kein Politiker, kein Journalist, kein Rektor hatte es kommen sehen. Vergangenen Donnerstag besetzten hunderte Studierende das Audimax, halten dort seither die Stellung und fordern mehr Geld sowie ein Umdenken von ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn.
Ihre Schmerzgrenze wurde erreicht, deshalb revoltieren die Studenten und Studentinnen nun. Seit Jahren haben sich die Zustände an den heimischen Universitäten zusehends verschlechtert, der Streit um die Studiengebühren ist längst nicht mehr Hauptthema (siehe Kommentar S. 6). Unabhängig davon wurden die Hörsäle voller, die Seminarplätze umkämpfter. Saßen in den 90er-Jahren 20 Studierende in einem Seminar, sind es heute oft 60 bis 80. Hinzu kommt, dass mit 1. Oktober das novellierte Universitätsgesetz (UG) in Kraft trat. Es schränkt die Rechte der Studenten ein.
Die Universitäten, die viele noch in Erinnerung haben, gibt es nicht mehr. Heute müssen die Studienanfänger in vielen Fächern eine Eingangsphase bestehen, ehe sie weiterstudieren dürfen. Selbst die Bewegungsfreiheit jener, die erfolgreich strebern, ist eingeschränkt. Ein Beispiel dafür sind die freien Wahlfächer. Diese wurden eingeführt, damit angehende Akademiker Schwerpunkte in ihrer Bildung setzen und sich vertiefen können. Doch für Bachelorstudenten gibt es keine Wahlfächer mehr, nur „Erweiterungscurricula“ – das sind vorgeschnürte Pakete, die ihre Auswahl einengen.
„In den drei Semestern, in denen ich studiere, hat sich mein Studium massiv verändert“, klagt Julian Schmid, 20, der Politikwissenschaft und VWL belegt. „Aus einem spannenden Studium, in dem ich mich vertiefen konnte, wurde ein verschultes System.“ Zwei Seminare, die er zuletzt besuchte, werden ihm nun nicht angerechnet.
Es ist der Frust über solche Erlebnisse und die Angst um die eigene Zukunft, die die Studierenden nun ins Audimax treibt. Wer heute ein Bachelorstudium absolviert, fürchtet oftmals, keinen Platz im gewünschten Masterstudium zu bekommen. So geht es etwa der 20-jährigen Sara Scheiflinger, die Volkswirtschaftslehre an der Hauptuni studiert. „Danach möchte ich Sozioökonomie belegen. Aber ich bin unsicher, ob ich einen Platz bekomme“, sagt sie. Seit diesem Semester dürfen die Universitäten qualitative Zugangsbeschränkungen für den Master auswählen. Oft geht es um ein oder zwei absolvierte Vorlesungen, die entscheiden, ob jemand Platz im Wunschstudium erhält.
Zugangsbeschränkungen, weniger Wahlfreiheiten, überfüllte Lehrveranstaltungen. Junge Menschen wollen studieren, dürfen das aber nicht – oder nur begrenzt. „Die Lage muss unerträglich sein, wenn selbst die Studierenden mit ihrer hohen Anpassungsbereitschaft rebellieren“, sagt Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier. Er glaubt nicht, dass die Jungen von einem Tag auf den anderen politischer wurden, sondern dass ihnen die Zustände keine Wahl mehr lassen. Sie steigen auf die Barrikaden, weil sie in einem überlasteten System stecken.
Wo bleibt die Diskussion dazu? In Deutschland hat die schwarz-gelbe Koalition gleich zum Antritt angekündigt, die Bildungs- und Forschungsausgaben in den nächsten vier Jahren um insgesamt zwölf Milliarden Euro zu erhöhen. Hierzulande hingegen gibt es nur Lippenbekenntnisse, Sorgen der Studenten werden derzeit ignoriert, teils wird ihr Protest sogar als Party diffamiert.
Dabei sollte man den Frust der Studierenden nicht unterschätzen. Das zeigt allein die Tatsache, dass keine große Studentenorganisation wie die Hochschülerschaft hinter dem Protest steckt. Es waren einzelne Studierende, die sich kurzerhand zusammenschlossen und das Audimax besetzten (siehe Reportage rechts).
Sara Scheiflinger und Julian Schmid gehören dazu. Sie waren von Beginn an dabei, haben Flugzettel verteilt und gemerkt, wie groß das Interesse ist. „Die Leute kamen und fragten, ob sie selbst auch Flyer verteilen können“, sagt Scheiflinger. Und Schmid fügt hinzu: „Normalerweise ist es so, dass hundert Flyer einen Menschen erreichen. Aber in diesem Fall erreichte ein Flyer hundert Menschen.“
Ihre Schmerzgrenze wurde erreicht, deshalb revoltieren die Studenten und Studentinnen nun. Seit Jahren haben sich die Zustände an den heimischen Universitäten zusehends verschlechtert, der Streit um die Studiengebühren ist längst nicht mehr Hauptthema (siehe Kommentar S. 6). Unabhängig davon wurden die Hörsäle voller, die Seminarplätze umkämpfter. Saßen in den 90er-Jahren 20 Studierende in einem Seminar, sind es heute oft 60 bis 80. Hinzu kommt, dass mit 1. Oktober das novellierte Universitätsgesetz (UG) in Kraft trat. Es schränkt die Rechte der Studenten ein.
Die Universitäten, die viele noch in Erinnerung haben, gibt es nicht mehr. Heute müssen die Studienanfänger in vielen Fächern eine Eingangsphase bestehen, ehe sie weiterstudieren dürfen. Selbst die Bewegungsfreiheit jener, die erfolgreich strebern, ist eingeschränkt. Ein Beispiel dafür sind die freien Wahlfächer. Diese wurden eingeführt, damit angehende Akademiker Schwerpunkte in ihrer Bildung setzen und sich vertiefen können. Doch für Bachelorstudenten gibt es keine Wahlfächer mehr, nur „Erweiterungscurricula“ – das sind vorgeschnürte Pakete, die ihre Auswahl einengen.
„In den drei Semestern, in denen ich studiere, hat sich mein Studium massiv verändert“, klagt Julian Schmid, 20, der Politikwissenschaft und VWL belegt. „Aus einem spannenden Studium, in dem ich mich vertiefen konnte, wurde ein verschultes System.“ Zwei Seminare, die er zuletzt besuchte, werden ihm nun nicht angerechnet.
Es ist der Frust über solche Erlebnisse und die Angst um die eigene Zukunft, die die Studierenden nun ins Audimax treibt. Wer heute ein Bachelorstudium absolviert, fürchtet oftmals, keinen Platz im gewünschten Masterstudium zu bekommen. So geht es etwa der 20-jährigen Sara Scheiflinger, die Volkswirtschaftslehre an der Hauptuni studiert. „Danach möchte ich Sozioökonomie belegen. Aber ich bin unsicher, ob ich einen Platz bekomme“, sagt sie. Seit diesem Semester dürfen die Universitäten qualitative Zugangsbeschränkungen für den Master auswählen. Oft geht es um ein oder zwei absolvierte Vorlesungen, die entscheiden, ob jemand Platz im Wunschstudium erhält.
Zugangsbeschränkungen, weniger Wahlfreiheiten, überfüllte Lehrveranstaltungen. Junge Menschen wollen studieren, dürfen das aber nicht – oder nur begrenzt. „Die Lage muss unerträglich sein, wenn selbst die Studierenden mit ihrer hohen Anpassungsbereitschaft rebellieren“, sagt Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier. Er glaubt nicht, dass die Jungen von einem Tag auf den anderen politischer wurden, sondern dass ihnen die Zustände keine Wahl mehr lassen. Sie steigen auf die Barrikaden, weil sie in einem überlasteten System stecken.
Wo bleibt die Diskussion dazu? In Deutschland hat die schwarz-gelbe Koalition gleich zum Antritt angekündigt, die Bildungs- und Forschungsausgaben in den nächsten vier Jahren um insgesamt zwölf Milliarden Euro zu erhöhen. Hierzulande hingegen gibt es nur Lippenbekenntnisse, Sorgen der Studenten werden derzeit ignoriert, teils wird ihr Protest sogar als Party diffamiert.
Dabei sollte man den Frust der Studierenden nicht unterschätzen. Das zeigt allein die Tatsache, dass keine große Studentenorganisation wie die Hochschülerschaft hinter dem Protest steckt. Es waren einzelne Studierende, die sich kurzerhand zusammenschlossen und das Audimax besetzten (siehe Reportage rechts).
Sara Scheiflinger und Julian Schmid gehören dazu. Sie waren von Beginn an dabei, haben Flugzettel verteilt und gemerkt, wie groß das Interesse ist. „Die Leute kamen und fragten, ob sie selbst auch Flyer verteilen können“, sagt Scheiflinger. Und Schmid fügt hinzu: „Normalerweise ist es so, dass hundert Flyer einen Menschen erreichen. Aber in diesem Fall erreichte ein Flyer hundert Menschen.“
© Nachdruck bzw. Textübernahme - auch auszugsweise -
nur mit schriftlicher Genehmigung der Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H. gestattet.
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