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Die Freibeuter

Schon wieder Aufregung um das Ehepaar Gernot und Erika Rumpold: Jetzt sorgt ihr Steuerakt für Verwirrung. Zusätzlich drohen dem Pärchen, das den Eurofighter bewarb, gleich vier Beugestrafen. Wer sind eigentlich diese beiden Eurofighter-Ausschussverweigerer?
 
Falter 11/2007 vom 14.3.2007
Ressort Politik > Lobbyisten
Autor Nina Horaczek

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An Überheblichkeit stehen sie einander wenig nach: Er verließ wutschnaubend den Eurofighter-Untersuchungsausschuss im Parlament, weil man einen Rumpold keine Dreiviertelstunde warten lässt. Und konnte schließlich doch überredet werden, noch zu erscheinen. Sie ließ sich wie ein ausländischer Staatsgast mit der Luxuslimousine die Parlamentsrampe hinaufchauffieren. Erst der Parlamentsdiener konnte sie davon überzeugen, dass auch eine Rumpold zu Fuß ins Hohe Haus marschieren muss – wo sie dann, wie zuvor ihr Ehemann, die Aussage verweigerte.
Ein Ehepaar wie Gernot und Erika Rumpold sticht heraus. „Wenn Sie Frau Rumpold noch nie live erlebt haben, dann haben Sie wirklich etwas verpasst“, findet auch der frühere FPÖ-Europaparlamentarier Hans Kronberger, ein Freund der Familie. Nun sorgte das Paar wieder für Aufregung: Wie am Rande des Eurofighter-Untersuchungsausschusses bekannt wurde, beläuft sich der Honorarvertrag zwischen Rumpold und einem Lobbyisten des Eurofighter-Produzenten EADS nur auf 1,8 Mio. Euro. Erika Rumpold hatte den Betrag aber mit 6.598.000 Euro angegeben. Und weder sie, noch ihr Ehemann konnte – beziehungsweise wollte – vor dem Untersuchungsausschuss erklären, was mit jenen vier Millionen, die nach Abzug aller Inseratenkosten vom Werbevertrag übrig geblieben sind, passiert ist. Nur, dass das Geld bereits ausgegeben wurde, verriet die Werberin. Deshalb drohen dem Werberehepaar auch gleich vier Beugestrafen. Das Bezirksgericht Innere Stadt wird wahrscheinlich noch diese Woche entscheiden, ob die Rumpolds je tausend Euro Geldstrafe blechen müssen. Gernot Rumpold berief sich in seiner Einvernahme überhaupt gleich 13-mal auf die Verschwiegenheitsklausel in ihrem Eurofighter-Werbevertrag. Auch Journalisten bekommen keine Interviews mehr.
Dabei gelten die Rumpolds nicht gerade als schweigsam. Weder Gernot, der vom Heizungs- und Lüftungsbauer über die FPÖ zum millionenschweren Werbemann wurde, noch Erika, die vom Anzeigengeschäft im News-Verlag zu ihrem Mann in die Werbe- und Lobbyingbranche wechselte, schienen je um einen flotten Spruch verlegen.
Von den frühen Achtzigerjahren an, als Rumpold um vier Uhr nachts auf einer Tankstelle im Gurktal der FPÖ beitrat und kurz darauf Jörg Haider kennenlernte, an dessen Seite er die nächsten 17 Jahre in der Partei Karriere machte, galt der Kärntner als Haiders „Mann fürs Grobe“. Neben seiner politischen Tätigkeit als Bundesgeschäftsführer und Bundesrat fiel Rumpold, der zu Haiders „Buberlpartie“ zählte, vor allem durch Eskapaden auf. Einmal donnerte er mit 221 Stundenkilometern über die Südautobahn, dann verarschte er im Dirndl Kriemhild Trattnig, die Grande Dame der extremen Rechten, so sehr, dass diese aus der Partei flüchtete. Später wiederum zwickte er in einem Lokal einen Mann, der sich über Rumpolds Manieren beschwerte, sogar ins Gemächt.
Beruflich führte der Kärntner über Jahre Haiders Terminkalender, und selbst innerparteilich musste jeder, der den Kärntner Landeshauptmann sprechen wollte, bei seinem Sekretär Rumpold anklopfen. Für seinen politischen Ziehvater hielt er auch immer wieder vor Gericht den Kopf hin. Der Villacher Bürgermeister Helmut Manzenreiter erinnert sich an rund 15 Treffen vor dem Richter, die er mit dem Freiheitlichen hatte: „Er hat den Stil der Kriminalisierung und politischen Abwertung massiv gegen mich eingesetzt und musste sich dafür vor Gericht entschuldigen“, sagt der Bürgermeister. Legendär ist auch sein exzessiver Handykonsum, in den Neunzigerjahren Statussymbol von Haiders Buberln. Als er das Mobiltelefon bei einem seiner zahlreichen Gerichtstermine einmal nicht dabeihatte, läutete plötzlich das Telefon der Richterin. „Nein, Sie können hier nicht während der Verhandlung anrufen, auch wenn Sie die Freiheitliche Partei sind“, ließ die Richterin wissen.

Ewald Stadler, der Rumpold 1986 in der Vorbereitungsphase des Haider-Putsches am Innsbrucker Parteitag als „Jörgs Kofferträger mit dem Wuschelkopf“ kennenlernte, beschreibt den langjährigen Parteikollegen als „unglaublich unbeschwerten, von jeglichem intellektuellen Tiefgang befreiten Genussmenschen, der, wenn er Geld hat, dieses sofort für jegliches Angebot der Spaßgesellschaft ausgibt“. Und sogar ehemalige Parteifreunde sehen in Rumpold „einen politischen Freibeuter“, der dort anheuere, wo es eine Gaudi und Geld zu verdienen gibt. Aber selbst der streng dogmatische Rechtsideologe Stadler schätzt an Rumpold dessen Ehrlichkeit: „Mir hat er nämlich einmal ins Gesicht gesagt, Leute wie ich gehören ins Museum und nicht in eine politische Partei.“
Von dieser verabschiedete sich aber Rumpold selbst nach der Nationalratswahl 1999. Als Dank für seine treuen Dienste durfte er die FPÖ-eigene Werbeagentur blue connection um einen symbolischen Schilling mitnehmen, die er gleich in media connection umbenannte. Zusätzlich stattete ihn die Partei als Starthilfe mit einem Vertrag über 500.000 Schilling monatlich aus. Im selben Jahr lernte der Neounternehmer bei einer Format-Feier seine Erika kennen, die in der Anzeigenredaktion für öffentliche Institutionen, also Ministerien, politische Parteien, Kammern und Ähnliches, zuständig war. Über die familiären Wurzeln der Steirerin ist wenig bekannt: Ihre Mutter sei zu Ostblockzeiten aus der Slowakei nach Österreich geflüchtet, erzählen die einen. Ihre stets urlaubsbraune Hautfarbe sei keine Folge exzessiven Solariumbesuchs, sondern sei von einem aus Indien stammenden Großvater vererbt, berichten andere. Rumpold selbst wollte beides gegenüber dem Falter nicht kommentieren.
Die Format-Redaktion hat die damals Dreißigjährige mit dem Mädchennamen Frebel jedenfalls vor allem als „total schrill, laut und überdrüber“ in Erinnerung, Kollegen aus der Anzeigenabteilung erinnern sich an „eine Frau mit viel Power und Selbstbewusstsein, die war eine richtiger Wirbelwind“. Einmal nahm sie an einem kleinen Umtrunk zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung teil, erzählt ein ehemaliger Redakteur, „da hat sie gleich Schnäpse mitgebracht, redete permanent und war mehr als resolut“. Obwohl sich so mancher in der Redaktion fragte, wie dieses „verrückte Hendl“ mit seiner lauten Art je eine Anzeige verkaufen konnte, schien es ihr an Talent nicht zu mangeln. „Erika beschloss, ein Meeting für ihren Branchenbereich zu organisieren“, erzählt eine frühere Arbeitskollegin, „und als dem Wolfgang Fellner die Gästeliste in die Hand fiel, wurde er blass ob der hochkarätigen Gästeschar, die sich angekündigt hatte.“ Lange konnte der damalige News-Herausgeber seine Keilerin aber nicht halten. Schon im Jänner 2000 tauchte sie im Firmenbuch als Geschäftsführerin der Agentur ihres späteren Ehemannes auf. „Aber es ist der Erika gelungen, ehemalige Inseratkunden von Format, die sie betreut hat, auch als Freunde zu gewinnen, die dann sogar auf ihrer Hochzeit waren“, erzählt ihre Exarbeitskollegin.
Geheiratet wurde recht rasch im Februar 2002 am Standesamt Wien-Magareten. Gleich in der Nähe, am Margaretenplatz, hatte Rumpold schon 1999 gemeinsam mit seinem Freund, dem damaligen FPÖ-Klubdirektor und nunmehrigen Rechnungshofpräsidenten Josef Moser, einen Dachboden ausgebaut, wo Rumpold und Moser Tür an Tür wohnten. Mittlerweile ist das Paar umgezogen und logiert im Dachgeschoß des schicken Palais Todesco auf der Kärntner Straße. Für Gernot Rumpold ist es bereits die dritte Ehe, und auch von dieser berichten Bekannte unisono, es sei eine temperamentvolle Beziehung, wo man nie genau wisse, ob die beiden gerade innigst verbunden oder knapp vor der Trennung seien. „Die Frau Rumpold hat sicherlich ein anderes Temperament als der Gernot“, meint auch ihr Bekannter Kronberger. Zumindest teilweise getrennt haben die beiden jedenfalls das Geschäftliche: Er ist für die media connection zuständig, die Firma 100 % communications betreiben sie gemeinsam (siehe Infobox). Sie kümmerte sich in letzter Zeit um eine Russland-Connection. Dazu lud sie 2006 russische Wirtschaftsmagnaten unter der Schirmherrschaft des damaligen Vizekanzlers Hubert Gorbach (BZÖ) zum „Meinungsaustausch“ in den Kursalon Hübner. Gorbach vermittelte ihr auch den Kontakt zum Multimillionär Martin Schlaff. Ehemann Gernot kümmerte sich in der Zwischenzeit um eine Fensterbaufirma im Iran, das Importgeschäft von persischen Luxusfliesen und Whirlpools und prahlte noch 2003 im Format, er möchte sich „als Cheflobbyist der Perser profilieren“.

Neben dem präpotenten Berufsjugendlichen Rumpold, der in einem halben Jahr seinen fünfzigsten Geburtstag feiert und trotzdem noch mit Lederjacke, offenem Hemd und Westernboots durch die Gegend rennt, scheint es aber noch einen anderen, weicheren „Rumpi“ zu geben: Als seine Ehefrau 2003 an Brustkrebs erkrankte, erzählte Erika Rumpolds Ärztin der Frauenillustrierten Woman, Rumpold sei seiner Frau nicht nur in der schweren Zeit beigestanden, sondern habe sich dabei auch „so anständig benommen wie kaum ein anderer in einer solch schwierigen Situation“. Als sich Erika Rumpold vor der Chemotherapie die Haare schneiden ließ, weil sie nicht warten wollte, bis diese ihr ausfallen, scherte er sich aus Solidarität auch eine Glatze. „Er ist ein sensibler und empfindlicher Mensch, der leider oft unterschätzt wird“, sagt sein Freund Kronberger. Selbst sein früherer politischer Gegner, der Villacher Bürgermeister Manzenreiter, muss gestehen, dass Rumpold „in seinen Kreisen durchaus einen gewissen Charme entwickeln konnte“.
Den wird er auch brauchen. Falls die Beugestrafe kommt, müssen die Rumpolds nämlich gleich wieder vor den Untersuchungsausschuss, kündigt dessen Vorsitzender Peter Pilz an. „Dann kriegen sie wieder dieselben Fragen gestellt, und wenn sie wieder die Aussagen verweigern, drohen bis zu sechs Wochen Haft“, sagt der Grüne. Ein „wir nehmen das Eurofighter-Geld, aber pfeifen auf die Republik“ werde es nicht geben, warnt Pilz. „Wir lassen uns von den Herrschaften sicher nicht pflanzen.“
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