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Hans Dichand und die Macht

Der Herausgeber der „Kronen Zeitung“ regiert Österreich als Kroneland. Seit 1959.
 
Falter 27/2008 vom 2.7.2008
Ressort Politik > Zeitgeschichte
Autor Armin Thurnher


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Hans Dichand ist Österreichs erfolgreichster Medienmacher. Man kann seine Erfolgsgeschichte auch als eine Geschichte vertrackter Beziehungen mit der SPÖ schreiben. Man muss Dichand, den Multimillionär, der von ganz unten kam, immer auch als Gegengewicht zur christlichsozialen Publizistik verstehen. Er ist die letzte Hoffnung der SPÖ, weil die ihre Medienmacht samt Banken und Firmen verspielte.
1959, als er die Kronen Zeitung wiederbelebte, hatte er bereits eine erfolgreiche Karriere hinter sich. Er war zum Chefredakteur der Kleinen Zeitung geworden, weil er das Blatt ohne Agenturmeldungen führte: Man höre Radio und tippe die Nachrichten ab. Noch heute übrigens kommt die Kronen Zeitung ohne Mitgliedschaft bei der Nachrichtenagentur Apa aus. Danach leitete er erfolgreich den Kurier.
Seine Abfindung in der Höhe von 170.000 Schilling benützte er, um die Lizenz der Kronen Zeitung zu kaufen. Das Geld reichte nicht. Der Sozialist Franz Olah trat auf. Der rechte, modern denkende Gewerkschafter hatte in den USA das Pressewesen kennengelernt. Ihm war klar, die Zeit der Parteizeitungen war vorüber. Er bot Dichand an, dessen Blatt zu finanzieren, um ein Instrument in der Hand zu haben, die Massen auf moderne Weise zu lenken. Die Idee der Medialpartnerschaft war geboren.
Zugleich brachte Olah Dichand einen Partner, den jungen Kurt Falk, einen erfolgreichen Marketingmann bei Persil. Olahs Geld, Dichands journalistische Nase (Kinder, Tiere, Mädchen) und Kurt Falks neue Marketingmethoden (Preisausschreiben, Kartonaufsteller, stummer Verkäufer) machten das Blatt erfolgreich. Als es zum Konflikt mit Olah kam, hatte dieser die schlechteren Karten. Dichand und Falk hatten mit minimalem Einsatz von Bargeld und "mit einem vollständig von dritter Seite besicherten Kredit" (der Historiker Helmut Konrad) die Kronen Zeitung an sich gebracht. Franz Olah konnte seine Eigentümerschaft an der Kronen Zeitung nicht beweisen und wanderte ins Gefängnis.
Im Prozess hatte die SPÖ, allen voran der spätere Justizminister Christian Broda, versucht, die Krone wieder in ihre Hand zu bekommen. Zwischendurch wurde Dichand ausgesperrt, ein Gerichtskommissar leitete die Redaktion. Dafür wurde die SPÖ mit einer Kampagne bestraft, die 1966 zur ersten schwarzen Alleinregierung führte. Damit hatte sich die Krone als jene politische Kraft etabliert, ohne die kein Kanzler mehr regieren mochte.
In den 70er-Jahren sah man Kanzler Bruno Kreisky sonntags oft mit einem Mann an seiner Seite durch die Grinzinger Weinberge wandeln, den viele für einen Staatspolizisten hielten; es war aber Hans Dichand. Kreisky, der Medienkanzler, blieb im Gespräch mit dem Machthaber in der Muthgasse. Auch weil er zu dem durch ein neues Rundfunkgesetz mächtig gewordenen ORF-Chef Gerd Bacher ein mediales Gegengewicht brauchte.
Die zerstrittenen Bundesländerverleger waren nie ein Hindernis für Dichands wachsende Macht. Diesbezüglich verließ sich die Politik allein auf den ORF. Aber kein Bundeskanzler, der nicht seine Vorhaben mit der Krone abstimmte, keiner, der sie nicht belohnte: mit Lizenzen, Sondergesetzen, Millionenförderungen und vor allem mit kartellrechtlichem Stillhalten. Dichand holt die deutsche WAZ in sein Boot, damit er Falk auszahlen konnte, er brachte die WAZ auch in den Kurier. Aus beiden entstand die Mediaprint, die große Konzentration der Medien. Unter Schüssel vollendete sie sich durch Fusion der Kurier-Tochter trend-profil mit der News-Gruppe zu Formil.
Auch Franz Vranitzky blieb bis auf den einen oder anderen kritischen Halbsatz ruhig, als das Blatt seinen Unterrichtsminister Scholten und seinen Innenminister Einem attackierte. Viktor Klima stand sowieso für Populismus aller Arten zur Verfügung.
Dichand selbst hielt die Nase in den Wind des Volkes, wie das ein Publizist ausdrückte, aber er sprach selten selbst, und wenn, dann meist unter Pseudonym. Für ihn sprach Staberl, ein ursprünglich harmloser Kolumnist der Arbeiter-Zeitung, dem Dichand "die Haifischzähne einsetzte" und der zu einer Art Lautsprecher Jörg Haiders wurde. Haiders Aufstieg ist ohne Krone undenkbar.
In Zwentendorf und Hainburg siegte die Krone jeweils gegen eine sozialdemokratisch geführte Regierung. Dichands publizistische Macht wuchs. Auch trug er entscheidend dazu bei, dass die Volksabstimmung für den EU-Beitritt Österreichs mit Zweidrittelmehrheit endete. Damit schrieb er die Erfolgsgeschichte seines Populismus fort, der sich einerseits für einen gesunden Geist in einem gesunden Land zuständig fühlt. Während andererseits Staberl und Kolumnisten wie Mölzer und Wolf Martin mit antisemitischen, rassistischen und anderen Ausrutschern für den dunklen Grund des Blatts sorgten und "den Menschenhass zum Gemeinschaftsgefühl steigerten", wie das Robert Musil einmal ausdrückte.
Im Jahr 1999 überholte Haider die ÖVP. Wolfgang Schüssel ging gegen den Willen Dichands eine Koalition mit ihm ein. Er wurde mit einer Kampagne bestraft, die nach den Sanktionen der EU-14 in Anbetung umschlug. Schüssel, der sich mit den anderen Eigentümern der Krone arrangierte, erntete später Titelblätter in Fußballerpose und Homestorys. Als Blitzableiter fungierte fortan Ursula Plassnik.

Unvergessen bleibt, wie der Europäer Erhard Busek von der Krone politisch erledigt wurde, ebenso die liberale Heide Schmidt, während ein Unpolitiker wie Karl-Heinz Grasser zum größten Finanzminister aller Zeiten hinaufstilisiert wurde. Einer der ihren - hat das die ÖVP schon vergessen? Solange Alfred Gusenbauer sich nicht um den mächtigen Herausgeber scherte, drosch der ihn mit Schlagzeilen. Michael Häupl bekam für mangelnde Lust zur Volksabstimmung von Dichand ebenfalls die Quittung. Nur Strache hatte was zu lachen. Das alles ist nun Schnee von gestern, Werner Faymann, die zeitgenössische Ausgabe Olahs, weiß, wie's geht. Der Alte erlebt seinen x-ten Frühling, fast alles tanzt wie gehabt nach seiner Pfeife. Die Medialpartnerschaft lebt. Nur offener denn je.
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Launige Reden, skurrile Inszenierungen, platte Parolen: Wahlkämpfe enthüllen, wie Politik funktioniert. Falter-Mitarbeiter Herwig Höller ist mit seiner Kamera dabei.

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