Die neue grüne Aufdeckerin
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Wer Prater sagt, muss auch Sabine Gretner sagen. Seit den Tagen des glücklosen Generalkonzipierers Emmanuel Mongon ist die grüne Planungssprecherin der Gottseibeiuns der roten Stadtregierung, was die Causa Prater betrifft. Unermüdlich macht sie in Presseaussendungen und -konferenzen darauf aufmerksam, wo ihrer Ansicht nach Missstände herrschen. Das sei „gar nicht wenig Arbeit“, sagt sie. Aber ihr Engagement ist einer der Gründe, warum Medien heute dem Prater und seinen Affären deutlich mehr Aufmerksamkeit schenken als noch vor wenigen Jahren. Damit das so bleibt, tarnt sich die Politikerin schon mal als Gutachterin, schleicht auf die Praterbaustelle und misst die Höhe von Bauteilen nach – so geschehen im April 2008, eine Anzeige der Wiener Grünen bei der Baupolizei war die Folge. „Ich weiß halt, wie man sich auf Baustellen verhält“, sagt sie. Gretner, 36, Wienerin, hat Architektur an der TU studiert und anschließend in verschiedenen Planerbüros in Wien und Niederösterreich gearbeitet. Seit 2000 ist sie Baureferentin bei den Wiener Grünen, seit 2005 sitzt sie als Planungssprecherin im Gemeinderat. „Ich habe keine Funktionärskarriere absolviert. Ich bin übers Fach in die Politik reingewachsen.“ Das Fach liefert Gretner auch laufend Material für ihre politische Arbeit: sei es die Bauordnung, seien es einzelne Projekte wie Prater, Donaukanal oder städtische Grünflächen oder seien es Unregelmäßigkeiten bei Umwidmungen und Auftragsvergaben. „Man muss Pläne früher auf den Tisch legen und Leute früher einbinden.“ In Wien gebe es da einiges an Nachholbedarf, meint sie. „Als Architektin habe ich mich früher immer mit einzelnen Projekten befasst. Aber interessant ist doch die Gesamtheit“, erzählt sie. „Wie muss ein Stadtviertel ausschauen, damit sich die Leute wohlfühlen? Wer gute Bildung haben will, braucht gute Schulgebäude. Wer ein funktionierendes Gesundheitssystem haben will, braucht gute Krankenhäuser. Stadtplanung ist eine Querschnittsmaterie aus Architektur und Sozialpolitik.“ Eine solche Politik funktioniert freilich nur mit Erfahrungen aus der Praxis: „Dinge wie Pauschalhonorare, die ich zum Beispiel im Prater gesehen habe, kenne ich aus dem Architektur- und Planungsbetrieb nicht.“ Das ist der Grund, warum Gretner den Betrieb abseits der Politik nicht ganz missen will: An der TU lehrt sie Stadtteilplanung, an der Architektenkammer absolviert sie Kurse wie „Liegenschaftsbewertung und Projektentwicklung“ – „damit ich auch die Investorenseite verstehen lerne“. Wer sich ausschließlich in der Politik bewege, dem können irgendwann die Ideen ausgehen, findet Sabine Gretner. Und trotzdem: Zum Gespräch mit dem Falter kommt die Grüne vom Bezirksfest in Hietzing. Und im Anschluss fährt sie zu einer Infoveranstaltung zum umstrittenen Thema Umwidmungen am Döblinger Hackenberg. Ganz Politikerin.
© Nachdruck bzw. Textübernahme - auch auszugsweise -
nur mit schriftlicher Genehmigung der Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H. gestattet.
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