Startseitefaltershop - Buch Musik FilmAbo ServiceTop-Storiesheureka WissenschaftsmagazinTier der WocheNewsletterMediadatenImpressum
Event ProgrammKino ProgrammLokalführer WienFeste feiernBest of Viennacreation/productionReparaturführer WienBio-Guide

Die beste Stadtzeitung Europas.

„Das Wienerische kommt mit dem Alter!“

Willi Resetarits und Ernst Molden über Dialekt als Zweitsprache, das Überleben als Musiker und das Problem mit dem Wienerlied
Ernst Molden, 41, und Willi Resetarits, 60, haben sich auf ein Packl gehaut. Der Schriftsteller und Journalist Molden, der sich in den letzten Jahren zu einem der interessantesten Songwriter der Stadt entwickelt hat, und der als Ostbahn Kurti (1985–2003) zu Wiener Weltruhm gelangte Resetarits haben gemeinsam das Album „Ohne di“ (Rezension siehe unten) aufgenommen. Nachdem Molden mit „Foan“ im Vorjahr bereits eine CD mit wienerischen Coverversionen englischsprachiger Songs veröffentlicht hatte, legt er jetzt erstmals ein Album mit eigenen Dialektliedern vor. „Ohne di“ ist die Fortsetzung einer Zusammenarbeit, die vor knapp zwei Jahren begann. Damals hatte Molden für Resetarits die Nummer „Hammerschmidgassn“ geschrieben, die – in verschiedenen Versionen – sowohl auf Moldens vorletztem Album „Wien“ als auch auf der neuen CD von Resetarits’ Stubnblues („No so vü“) zu hören ist. Das Gespräch fand in dem von Ernst Molden gern frequentierten Café Heumarkt statt.

Falter: „Ohne di“ ist Ihr erstes Album mit eigenen Liedern im Dialekt. Warum hat es so lange gedauert?

Ernst Molden: Es hat mich gereizt, Hochdeutsch zu schreiben, weil das ja viel schwieriger ist – zumindest für mich. Das Wienerische ist biegsamer, hat weniger Silben und mehr Vokale. Ich glaube, Jochen Distelmeyer (Kopf der 2007 aufgelösten Band Blumfeld, Anm. d. Red.) hat einmal gesagt, das Hochdeutsche sei vor allem für einen Dreivierteltakt geeignet. Für amerikanische Musik, also 2/4 oder 4/4, ist Dialekt besser.

Willi Resetarits: Das stimmt in meinen Augen nicht. Ich tu immer wieder Artmann-Gedichte vertonen. Und da muss ich immer im Dreivierteltakt schreiben!

Molden: Im Wienerischen geht beides, würde ich sagen. Man kann was auslassen, man kann’s in die Länge ziehen – es haut immer hin. Wenn ich bei Konzerten einen neuen hochdeutschen Song singe, denke ich mir die ersten Male immer: „Also, die Stelle, da spleißt es sich total, da haut was ned hin.“ Das passiert mir beim Wienerischen viel seltener.

Und welchen Anteil hat Willi Resetarits an dem Umstand, dass Sie jetzt Dialektlieder geschrieben haben?

Molden: Ich hab für den Willi das Lied „Hammerschmidgassn“ geschrieben und dann mit ihm gesungen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich physisch Sehnsucht gekriegt hab, mehr Material für das gemeinsame Singen zu haben. Also habe ich angefangen, Songs zu schreiben, wo ich ihn wirklich im Ohr gehabt habe. Der Willi ist für mich der Protagonist der österreichischen Popmusikszene, der es geschafft hat, über 40 Jahre Pop zu machen und dabei nicht wie 99 Prozent seiner Zeitgenossen in einer Suppe zu versinken, die mir nicht schmeckt. Deswegen hab ich mich auch so lang vom Dialekt ferngehalten – am späten Ambros wollte ich nicht anstreifen.

Auch Willi Resetarits hat sich dem Dialekt erst über die Kunstfigur Ostbahn Kurti genähert – die Schmetterlinge waren ja keine Dialektband. Warum eigentlich nicht?

Resetarits: In den 70er-Jahren war es noch ein Unterscheidungsmerkmal, wenn man nicht Dialekt gesungen hat. Man will sich ja unterscheiden. Mittlerweile ist mir das wurscht.

Und ist Ihnen die Entscheidung, zum Ostbahn Kurti zu werden, schwer gefallen?

Resetarits: Na, da hab ich mich aufgedrängt. Der Brödl (Günter Brödl, 1955–2000, erfand die Kunstfigur des Ostbahn Kurti und schrieb diesem die Texte, Anm. d. Red.) hat mich gefragt, ob ich ihm wen raten könnte, der den Ostbahn Kurti impersonieren könnte. Und ich hab die Gelegenheit gesehen, mein unerlöstes Rock-’n’-Roll-Herz erlösen zu können.

Können Sie überhaupt Wienerisch? Sie kommen ja aus verschiedenen Wiener Welten: Ernst Molden ist aus Döbling, Willi Resetarits ist als burgenländischer Kroate in Favoriten aufgewachsen...

Resetarits: Für mich ist das Favoritner Wienerisch meine zweite Sprache gewesen. Die hab ich mit dreieinhalb zum Lernen angefangen, von null, auf der Straße. Einen meiner ersten Sätze habe ich an der Donau geäußert, als dort ein Schiff vorbeigefahren ist und ein Geräusch gemacht hat. Da habe ich gesagt: „Der Schiff schreit ,tü‘!“

Molden: Ich bin auch zweisprachig aufgewachsen. Die Volksschule, in die ich gegangen bin, war am unteren Ende des bourgeoisen Döbling. Das war die Volksschule für die Karl-Marx-Hof-Kinder. In meiner Klasse waren zwei Drittel proletarisch und ein Drittel bürgerlich. Das Erlernen des Spruchs war eine Überlebensstrategie. Auch die Spielplätze waren eher von tieferen Gangs besiedelt, so hat sich der Spruch dann ergeben. Außerdem ist die Mutter meiner Mutter Dornbacherin...

...die in dem Lied „Heanoisa Oma“ besungen wird...

Molden: ...und die war zwar mit einem Apotheker verheiratet und hat sich um eine gepflegte Sprache bemüht, aber schon sehr wienerisch reden können, wenn sie sich erregt hat. An der Oberfläche hat sie es verurteilt, dass meine Sprache verkommen ist, aber subkutan hat sie es bejaht: Sie musste immer lachen.

Resetarits: Ich bin ein selbsternannter Wienerischexperte. Mich hat das von Anfang an interessiert. Ich hab schon in den 70er-Jahren mit dem Wolfgang Teuschl (1943–1999, Kabarettist und Texter, übersetzte das Neue Testament unter dem Titel „Da Jesus und seine Hawara“ ins Wienerische, Anm. d. Red.) herumgemutmaßt, wo Wörter herkommen. Der Teuschl hat ja ein relativ gutes Dialektlexikon herausgegeben. Und mit dem Brödl haben wir auch viel über Wörter geredet. Der hat eine sehr gute Expertin daheim gehabt, seine Mutter, die viele alte Wörter gekannt hat.

Hat es nicht auch immer etwas Restauratives, wenn man im Dialekt singt? Geht es da nicht auch immer darum, die Sprache zu „retten“?

Resetarits: Das hab ich schon auch in mir. Die Sprachen der Minderheiten sind im Burgenland ja auch vom Aussterben bedroht. Da denkt man dann schon daran, dass man die Wurzeln nicht verlieren will.

Hat die Sensibilität für das Wienerische auch damit zu tun, dass es eben nicht Ihre Muttersprache ist?

Resetarits: Sicher. Wenn man das als zweite Sprache lernt, hat man einen genaueren Blick dafür.

Molden: Wir sind auch draufgekommen, dass es da wirklich urban-geografische Unterschiede gibt: Was bei uns in Heiligenstadt eine Gstettn gewesen ist, war beim Willi eine Gschdeedn.

Ein Wort wie „stier“ im Sinne von „ohne Geld“, wie es in dem Lied „Sog wos d wüsd“ vorkommt, verwendet doch in Wirklichkeit kein Mensch mehr!

Molden: Ich denke schon. Ich glaube auch nicht, dass unsere Generation das ins Grab mitnimmt. Ich glaube, dass Wiener ab einem gewissen Alter – so ab Mitte 40, Anfang 50 – eine Sprache zu sprechen beginnen, die sie zehn Jahre früher noch nicht gesprochen hätten. Das Wienerische kommt mit dem Alter! Und es verändert sich auch. Auf dem Album gibt es zum Beispiel die Nummer „Stagl ma d Schul“, da hat meine Frau gesagt: Bei uns hat das ,stangeln‘ geheißen!

Bei uns auch.

Resetarits: Ich hab beides wahrgenommen. Aber dort, wo ich in die Schule gegangen bin, hat es stangeln geheißen.

War Dialekt im Hause Molden pfui?

Molden: In der Familie hab ich Hochdeutsch gesprochen. Wobei ich in Deutschland auch als Wiener Dialektsänger wahrgenommen werde, wenn ich hochdeutsch singe. Das ist quasi „ethno“, und wenn man auf ein Weltmusikkonzert geht, rechnet man ja auch mit einer gewissen Fremdheit. Sie kommen dann nach dem Konzert zu mir und fragen: Ist es richtig, dass das jenes bedeutet? Und wenn sie’s erraten haben, sind sie stolz. Wir spielen in Deutschland jetzt auch Coverversionen im Dialekt, was den Vorteil hat, dass man die Melodien kennt. Ich glaube auch, dass sich meine Sprache schon auf den fünf Platten mit hochdeutschen Songs verändert hat – vom eher artifiziellen, lyrischen Ansatz zu einem schlamperten, verkommenen Döblinger Alltagshochdeutsch. So gesehen ist der Dialekt jetzt möglicherweise gar kein so großer Bruch.

Sammeln Sie seltene Wörter? Haben Sie da so eine Art private Lexika?

Resetarits: Es ist eher so, dass ein Lieblingsbegriff wieder auftaucht und ich manchmal den Eindruck habe, diesen wieder in die Mundart eingebracht zu haben, sodass der dann so Kreise zieht. Zum Beispiel das an den Ende eines Satzes angehängte „frage nicht!“.

In einem Lied auf dem neuen Album gibt es die schöne Formulierung „wach wie a Wimmerl“. Das war uns neu.

Resetarits: Ich glaub, das hat der Ernst erfunden.

Molden: Nein, das ist aus der alten Wiener Dope-Raucher-Szene.

Resetarits: Wobei es ja harte Wimmerln auch gibt.

Sie haben gesagt, das Wienerische sei auch eine Altersfrage. Liegt das daran, dass man sich im Alter gern seiner Wurzeln besinnt, sentimentaler wird?

Molden: Ich hab nie ein großes Problem mit Wien gehabt. Aber dass das mein Ort ist, dass ich hier lebe und eines Tages auch hier sterben möchte, ist mir erst in den letzten Jahren klar geworden. Da gibt’s diese Sprache, die mich beglückt und die ich gern spreche. Ich versuche auch, sie möglichst undidaktisch meinen Kindern weiterzugeben. Der Karli, mein Zweitgeborener, kann die „Ballade von ana hoatn Wochn“ vom Sigi Maron auswendig! Der skandiert dann beim Hofer mit seinen Geschwistern: „Sehr geehrter Herr Schwiegerpapa, sehr geehrter Herr Rechtsverdreher – leckts mi am Oasch!“ Meine Frau findet das total uncool.

Und was ist mit dem klassischen Wienerlied?

Molden: Mit dem tu ich mir schwerer. Ich hab mit dem Walther Soyka jetzt zwar einen Großmeister der alten Wiener Musik in der Band, und ich hör die auch gern. Aber sie macht nicht so viel mit mir wie das, was beispielsweise ein Song von Kris Kristofferson in mir anrichten kann. Ich weiß auch nicht warum. Ich würde mir schwer tun, klassische Wienerlieder zu schreiben.

Resetarits: Ich sing schon gern Wienerlieder, aber man kommt da auch drauf, dass man da bald einmal durch ist. Ich hatte schnell den Eindruck: Im Wesentlichen weiß ich jetzt, wie’s geht. Das ist ein bissl wie beim Blues: Mit dem haben wir alle einmal angefangen, weil’s leicht geht, aber irgendwann denkt man sich: Na ja, das ist schon ein bissl limitiert.

Es hat ja in den letzten Jahren eine Renaissance des Wienerlieds gegeben. Es gibt neue Künstler, und auch die alten werden geehrt.

Molden: Ja, wobei die Wienerliedpolizei aber genauso streng ist wie die Jazzpolizei. Der David Müller von den Strottern ist jahrelang bös angeschaut worden, weil seine Gitarre nur einen Hals hat; weil er nicht Kontragitarre spielt, sondern eine normale Konzertgitarre. Mich persönlich interessieren die Musiker, die nur einen Teil vom Wienerlied nehmen und ganz viel weite Welt reinbringen – so wie das Kollegium Kalksburg oder auch die Strottern. Die neue Platte von denen ist fast wie früher André Heller.

Kann man sagen, dass in Gruppen wie Kollegium Kalksburg oder den Strottern die Kultur des frühen Austropop, des anarchischen Dialektlieds der frühen 70er, wieder auflebt?

Resetarits: Ja, ich hab das bildlich vor mir: das alte Atlantis und Liedermacher wie den Franzi Bilik.

Atlantis? Franzi Bilik? Können Sie das bitte etwas ausführen?

Resetarits: Der Franzi Bilik war etwas älter als ich und hat so versponnene Texte gemacht. Er hatte einen jazzartigen Zugang zu Wienerliedern. Und das Atlantis war der Treffpunkt der Folkszene, im Keller vom Café Josephinum in der Währinger Straße, später dann im Café Papageno in der Operngasse.

Molden: Meine Kontakte gehen ja eher in die Songwriterecke als in die Wienerliedszene, an der ich aber andocken darf, weil ich jetzt Dialekt verwende. Ich darf im Herbst also bei Wien im Rosenstolz im Schmid-Hansl und im Juli beim Schrammelklangfestival in Litschau spielen! Trotzdem: Meine halbe Band ist ident mit A Life, A Song, A Cigarette, meine Musikerfreunde kommen eher aus dem Indie-Songwriter-Lager.

Es gibt ja auch eine eher üble Form des Wienerlieds. Diese öligen Heurigensänger...

Resetarits: Das erklärt sich alles daraus, dass man vom Trinkgeld abhängig ist. Da muss man das spielen, was die Leute hören wollen, und das ist halt nicht immer das Beste.

Molden: Das liegt aber auch am Wirten. Der Hengl in der Iglaseegasse zum Beispiel setzt den Soyka und den Karl Stirner in eine Ecke und lässt sie machen, was sie wollen. Und wenn ein Gast die „Reblaus“ oder den „Herrgott aus Stan“ einfordert, sagt er: „Das sind die besten Musiker von Wien, lassts die spielen, was sie spielen wollen!“ Wobei der „Herrgott aus Stan“ eh eine schöne Nummer ist – die aber durch jahrzehntelangen Abusus beim Heurigen kaputtgemacht worden ist. Ich kann sie nicht mehr hören.

Ist die Szene durchlässiger geworden? Sind die Szenen nicht mehr so scharf abgegrenzt?

Resetarits: Ich kann das nicht beurteilen, weil’s mich nicht interessiert. Ich bin so froh, wenn ich eine Musik hab, die mir gefällt.

Molden: Aber deine Sendung (die wöchentliche Sonntagmittag-Sendung „Trost und Rat“ auf Radio Wien, Anm. d. Red.) ist doch ein Paradebeispiel dafür: Ihr suchts euch Musik aus, die euch gefällt – und es ist völlig egal, woher die kommt.

Resetarits: Mir gefällt es einfach gut, wenn Leute gut musizieren können. Ich liebe Musiker. Und Musikerinnen.

Stimmt es, dass Sie einander in der Sendung „Trost und Rat“ kennengelernt haben?

Molden: Nein, wir kennen uns seit 1987. Da hab ich für die Presse ein Ostbahn-Kurti-Interview gemacht.

Resetarits: Aber als Musiker ist die erste Begegnung schon bei „Trost und Rat“ gewesen.

War Ernst Molden ein Ostbahn-Fan?

Molden: Ja, aber mir ist es irgendwann zu groß geworden.

Resetarits: Das hat uns überrollt. Es gab durchaus ein paar gefährliche Konzerte, weil der Ort einfach zu klein war.

Haben Sie Moldens musikalisches Schaffen verfolgt?

Resetarits: Nur am Rande. Ich hab einen Roman von ihm gelesen und aus der Ferne bewundert, was der Mann macht. Und irgendwann hab ich dann entdeckt: He, das ist ja ein Supermusiker! Normalerweise setzt du das nicht voraus, dass einer, der Bücher schreibt und Zeitungsartikel, sehr gut Gitarre spielen kann. Ich wünsche mir sehr stark, dass der Ernstl so einen Erfolg hat, dass er vielleicht auch einmal auf Ö3 gespielt wird.

Wäre das ein Ziel?

Molden: Ö3 weiß ich nicht, aber auf Radio Wien durfte ich jetzt einmal zwei Stunden auflegen – meine frühen Austropophelden: Sigi Maron, alten Danzer, uralten Ambros. „A Schritt vire, zwa Schritt zruck“ vom Ostbahn Kurti hab ich gespielt, dazu Dylan, Cave, Waits. Und zum Schluss hab ich 40 Minuten nur neue österreichische Szene aufgelegt: Paper Bird, Alex Miksch, Trojanisches Pferd. Da habe ich gemerkt, dass diese Musik total gut zu Radio Wien passen würde. Während ich ein Jahr vorher dasselbe einmal auf Ö3 gemacht hab – und da wirkt so eine Musik wie ein Fremdkörper. Das fängt schon damit an, dass nach jeder Nummer ein Ö3-Jingle gespielt wird, der fünfmal lauter ist als die Musik.

Und FM4?

Molden: Welcher Österreicher kommt denn dort wirklich vor? Die Clara Luzia spielen sie. Aber schon bei A Life, A Song, A Cigarette, die als FM4-Band gelten, spielen sie fünf Wochen lang die Single, wenn eine neue Platte heraußen ist – und dann versickert das wieder.

Wäre eine Quote wünschenswert?

Molden: Das halte ich für einen falschen Weg. Du kannst Medien nichts vorschreiben, die müssen das schon selber herausfinden. Die Radioprogrammierer haben halt Angst, das irgendwas den „Hörkonsens“ stören könnte.

Resetarits: Quote oder nicht ist mir wurscht. Ich will, dass die Musiker spielen, die gute Musik machen. Was passiert mit den vielen Talenten, die es gibt?! Ich hab schon mehrere Generationen von Bands erlebt, die einen „ordentlichen“ Beruf wählen mussten, sobald die ersten Kinder da waren – also einen Beruf, der Geld bringt. Ich wünsche mir natürlich schon stark, dass die guten Musiker von der Musik leben können.

Molden: Dass es jetzt so eine gute junge Szene gibt, hängt auch damit zusammen, dass das Radio als Unterstützer und der CD-Verkauf als finanzieller Faktor wegfallen. Das heißt: Die Leute, die jetzt Musik machen, machen das against all odds. Das hat auch etwas Befreiendes.

Wie können denn Sie davon leben?

Molden: Bescheiden. Ich verdiene für einen Indiemusiker relativ gut mit Konzerten. Und bei den CDs ist es mittlerweile so, dass ich nicht mehr jahrelang Schulden nachschleppe. Wenn’s nicht schlechter wird, kommen wir durch; ich bin zufrieden. Aber so wie vor zehn Jahren würde ich heute nicht mehr weitermachen. Damals musste ich mir jedes Konzert selber ausmachen und hab oft gerade so das Taxi nachhause verdient. Die jetzt 25-Jährigen machen’s auch so. Es ist ja auch lustig, aber mit drei Kindern hat man auch noch andere Sorgen.

Bleiben Sie jetzt beim Dialekt?

Molden: Weiß ich noch nicht. Jetzt wollen wir einmal noch lange dieses Album singen, und dann schauen wir weiter.

Resetarits: Ich kann dazu nur aus Erfahrung sagen: Man muss ein bissl länger an was dranbleiben, als man das Gefühl hat, dass man sollte.

Also, wenn man selber glaubt: Es ist genug...

Resetarits: ...dann noch ein halbes Jahr weitermachen. Weil die Leute, die man noch nicht erreicht hat, können ja nichts dafür, dass man’s selber schon oft gespielt hat.
2010 © Falter Verlagsgesellschaft mbH
E-Mail: Webmaster
Impressum | Mediadaten
Aktuelle Kamera Europa

Launige Reden, skurrile Inszenierungen, platte Parolen: Wahlkämpfe enthüllen, wie Politik funktioniert. Falter-Mitarbeiter Herwig Höller ist mit seiner Kamera dabei.

Startseite