Wer zahlt den nächsten Scoop?
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Von San Francisco nach Detroit, von New York bis London: Die Zeitung aus Tinte und Papier ist sterbenskrank. In Colorado lief im Februar die letzte Ausgabe der 149 Jahre alten Rocky Mountain News vom Stapel. Der Tribune-Konzern, dem neben der Chicago Tribune auch die auflagenstärkste englischsprachige Zeitung des Westens, die Los Angeles Times, gehört, sprach kürzlich eine Konkurswarnung aus. Und die New York Times, die sich 2007 einen 300 Meter hohen Glaspalast in Manhattans Midtown errichten ließ, verscherbelte den Wolkenkratzer bereits zwei Jahren später wegen massiver Geldprobleme, um danach kleinlaut ein paar Stockwerke für die Redaktion zurückzumieten. In London hieß es zuletzt, der traditionsreiche Observer stehe vor dem Bankrott.
8000 Journalisten verloren heuer allein in den USA ihren Job. Das Blog „Newspaper Death Watch“ trägt täglich neue Hiobsbotschaften in die Welt. Besser, aber ebenfalls schlecht geht es den Kollegen in Europa. Die fatale Kombination aus sinkenden Werbeeinnahmen und ruinöser Konkurrenz durch Gratis-News im Internet streut Sand in die Druckpressen. Die Herausgeber setzen Journalisten auf die Straße, unterminieren Kollektivverträge und opfern journalistische Qualität auf dem Altar ihrer schmelzenden Profite.
Anders als andere Industrien, die sich erholen werden, wenn die Konjunkturmaschine wieder anspringt, ist es fraglich, ob die Printbranche je wieder aus dem Koma erwacht. Vielleicht ist es falsch, den alten Strukturen nachzutrauern. Vielleicht ist es an der Zeit, dem anzeigenfinanzierten Blätterwald Lebewohl zu sagen. Zeit, vom Gedanken Abstand zu nehmen, dass Journalismus Geld bringen muss. Aber wie ließe sich staatliches Handeln denn sonst kontrollieren? Wer bitte deckt Korruption, Packelei und Misswirtschaft in Zukunft auf?
Es lohnt sich, abermals über den Atlantik zu blicken. Dort, wo die Zeitungskrise am härtesten und am längsten wütet, dort gibt es auch eine lange Tradition alternativer Strukturen. Kleine gemeinnützige Initiativen führen weiter, was große Redaktionen aus Kostengründen einschränken oder aufgeben: investigative Projekte, die wochen- oder sogar monatelange Recherche benötigen. Die die Rolle übernehmen, die Medien idealtypischerweise zukommt: Kontrolleure der Mächtigen, Garanten der Rechtschaffenheit und Wachhunde der Demokratie zu sein.
„Es findet ein Umdenken im Land statt“, sagt Andrew Donohue, Chefredakteur der kalifornischen Voice of San Diego, einer journalistischen Webseite auf Non-Profit-Basis: „Man hat erkannt, dass eine kritische Berichterstattung eine öffentliche Servicefunktion ist. Wenn die Märkte diese Art der Berichterstattung nicht mehr fördern, müssen eben andere Institutionen einspringen.“
Die Voice of San Diego zeigt schön, was Non-Profit-Journalismus vor allem auf einer lokalen Ebene bewirken kann. Angefressen von der butterweichen Berichterstattung der lokalen Tageszeitung, hatte der pensionierte Anleger Buzz Woolley im Jahr 2005 eine Million Dollar in die Hand genommen und eine Redaktion von einem Dutzend Journalisten zusammengestellt. Schnell landete die Onlinepublikation, die auf die Berichterstattung über internationale Politik, Sport, Kultur oder Kunst verzichtet und sich stattdessen auf lokale Missstände konzentriert, Scoops. Der lokale Polizeichef etwa wurde überführt, die Kriminalstatistik nach Bedarf verfälscht zu haben.
Zehn Prozent der Einkünfte der Voice stammen aus Werbeeinnahmen. Der Rest von Zuschüssen des vermögenden Eigentümers und von Spenden der Leser. Dieses System der Finanzierung ist in den USA nichts Neues. Auch das erfolgreiche öffentliche Sendernetzwerk National Public Radio (NPR) funktioniert dank freiwilliger Spenden. Anders als etwa beim ORF werden keine Gebühren bezahlt, sondern die Konsumenten ein paarmal im Jahr mittels quälender NPR-Eigenkampagne zur Kasse gebeten. „Im Rundfunk spielt NonProfit-Journalismus schon lange eine Schlüsselrolle“, erklärt Voice of San Diego-Chef Donohue, jetzt habe dieses Prinzip eben auch den textbasierten Journalismus erreicht.
„Qualitätsjournalismus sicherstellen“, so beschreibt auch Robert Rosenthal vom im kalifornischen Berkeley ansässigen Center for Investigative Reporting (CIR) die Funktion von Non-Profit-Medien. „Es gibt ein beachtliches Potenzial von Energie und Talent in den USA, das sich engagieren will, um in dieser neuen Phase des Umbruchs Lösungen zu finden“, sagt Rosenthal.
Das im Jahr 1977 von einer Gruppe Journalisten gegründete CIR ist die älteste Non-Profit-Organisation in den USA, die sich der Förderung des Aufdeckungsjournalismus verschrieben hat. Mit einem Jahresbudget von 2,5 Millionen Dollar finanziert es Reportagen über Einwanderer, Frauenhandel und über den Drogenkrieg in Mexiko. Das CIR zeigt dabei vor, was jetzt viele andere Institutionen verfeinern: Kooperation von nichtprofitorientierten Institutionen, ehrgeizigen Reportern und Bürgern, die bereit sind, für kritische Information Geld auszugeben.
Dass die Zeitungshäuser heute weltweit in der Krise stecken, ist eine direkte Folge des Internet. Noch immer fehlt es an vernünftigen Geschäftsmodellen, mit Nachrichteninhalten im Netz Geld zu machen. Obwohl die Einnahmen aus Werbung im Internet steigen, haben sie am Gesamtwerbekuchen nur einen Anteil von zehn Prozent. Außerdem müssen Zeitungen im Netz gegen Platzhirsche wie Google, Yahoo, Microsoft und Millionen von Blogs antreten. Letztere waren in der Vergangenheit vor allem dafür bekannt, Nachrichten abzuschreiben und schmarotzend wiederzuverwerten. Die kostenintensive Recherche überließ man den professionellen Medien.
Als die Kolumnistin Arianna Huffington im Jahr 2005 die Huffington Post (HuffPo) gründete, war die Seite nicht mehr als eine Sammlung von Prominenten-Blogs. Schauspieler, Literaten und Universitätsprofessoren deponierten unentgeltlich ihre Gedanken. Während der Präsidentschaft von George W. Bush verdiente sich die HuffPo jedoch ihre Meriten als recherchierendes und – vor allem – nicht der Regierungspropaganda aufsitzendes Medium. Die Nutzerzahlen schnellten in die Höhe. Bald begann die HuffPo Journalisten anzustellen und hob sukzessive die Qualität. Derzeit verzeichnet die Seite nach eigenen Angaben 22 Millionen Besucher im Monat.
Im April rief die HuffPo einen „Investigative Fund“ mit einem Startkapital von 1,75 Millionen Dollar ins Leben. „Eine unserer größten Sorgen angesichts des Niedergangs der Zeitungen ist“, schrieb Huffington in ihrem Blog, „dass seriöser Aufdeckungsjournalismus zu den Opfern der Einsparungen zählen wird.“ Mit den Geldern aus dem Fonds unterstützt Huffington jetzt investigative Rechercheprojekte, die dann kostenlos von anderen Medien übernommen werden können.
Einem ähnlichen Konzept folgt das 2007 gegründete Projekt ProPublica des ehemaligen Wall Street Journal-Chefredakteurs Paul Steiger. Die Familienstiftung der Milliardäre Herb und Marion Sandler stiftet dem Projekt jährlich zehn Millionen Dollar. ProPublica beschäftigt heute 28 Journalisten, die es sich leisten dürfen, ihre Geschichten anderen Medien zur Publikation zu schenken. Erst kürzlich nahm ProPublica Finanztransaktionen der Obama-Administration aufs Korn und brachte zweifelhafte Privateinkünfte der beiden Staatssekretäre Steven Chu und Alan Krueger ans Tageslicht.
Auch wenn sich die Erfolge der Non-Profit-Journalisten sehen lassen können, glaubt ProPublica-Gründer Steiger nicht, dass das Non-Profit-Modell den kommerziellen Journalismus je wird ersetzen können. „Es ist nur ein anderer Weg“, sagt Steiger, „Journalisten für Profitmedien haben in der Vergangenheit hervorragende investigative Arbeit geleistet.“
Steigers ehemaliger Arbeitgeber, die Washington Post, ist das beste Beispiel für eine Zeitung, die viel Zeit und Geld in Enthüllungsjournalismus investierte. Der Watergate-Skandal der 1970er-Jahre, als die Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein dem damaligen US-Präsidenten Richard Nixon nachwiesen, das Hauptquartier der Demokraten verwanzt zu haben, gilt heute als Paradebeispiel einer Aufdeckung. Dass heute in einer Redaktion zwei Mitarbeiter monatelang abgestellt werden, um einer einzigen Sache nachzujagen, ist allerdings inzwischen sogar bei der mächtigen Post selten geworden. Bei kleineren Zeitungen ist ein derartiger Luxus so gut wie verschwunden. Die zu teuer gewordenen Aufdecker finden bei Non-Profit-Medien Unterschlupf, die vielerorts aus dem Boden schießen. In Minneapolis wurde die MinnPost.com gegründet. In Seattle das Umweltmagazin Grist. Europa hat seit kurzem das Bureau of Investigative Journalism, das von den Londoner Philanthropen Elaine und David Potter mit 2,3 Millionen Euro finanziert wird. In Sarajevo sitzt bereits seit 2007 das Balkan Investigative Reporting Network (BIRN), das Reporter bei Recherchen unterstützt.
Eine der innovativsten Seiten ist Spot.us. Die vom Journalismus-Studenten David Cohn gegründete und von der Knight Foundation finanzierte Seite erfüllt auf radikale Weise den Partizipationsgedanken des Citizen-Journalismus. Der Leser kann hier Ideengeber, Herausgeber, Finanzier und Autor einer Geschichte sein: Zunächst werden Vorschläge für Geschichten, online gestellt. In einem zweiten Schritt erklären sich Reporter bereit, die Geschichten zu recherchieren und zu schreiben. Danach wird der Kostenbedarf ermittelt und ein Spendenkonto eröffnet. Ist genug Geld da, beginnt der Reporter zu arbeiten und die Geschichte nimmt Gestalt an.
Inzwischen ist das Non-Profit-Modell derart angesehen, dass es in den USA Politiker vorantreiben. Zur Rettung der Medien schlug der demokratische Senator Benjamin Cardin den Newspaper Revitalization Act vor, der es erlauben soll, Zeitungen von Wirtschaftsunternehmen in Non-Profit-Institutionen umzubauen. Was ihnen Anspruch auf öffentliche Fördermittel und Steuervorteile brächte sowie die Möglichkeit, um Spenden zu werben.
Ist es also die Zukunft des Journalismus: Der Leser spendet einen Geldbetrag, damit eine Geschichte gedruckt werden kann? Werden Journalisten in Zukunft am Trottoir um Kleingeld betteln?
Unter den meisten Beobachtern herrscht Einigkeit, dass gemeinnütziger Journalismus den kommerziellen nicht vollständig wird ablösen können. Zum einen sei der Non-Profit-Bereich nicht finanzkräftig genug, um das Wegbrechen der Inserentengelder aufzufangen. Zum anderen steht Non Profit nicht automatisch für einen besseren Journalismus. „Schädliche Einflussnahme kann von Spendern genauso wie von Inserenten kommen“, warnt Paul Steiger von ProPublica. Die Redaktionen müssten so oder so um ihre Unabhängigkeit kämpfen. „Non-Profit-Journalismus ist nicht die einzige Antwort“, sagt auch Donohue von der Voice of San Diego, „aber er ist ein Teil eines gesunden und vielfältigen medialen Ökosystems, den man durchaus noch ausbauen sollte.“
8000 Journalisten verloren heuer allein in den USA ihren Job. Das Blog „Newspaper Death Watch“ trägt täglich neue Hiobsbotschaften in die Welt. Besser, aber ebenfalls schlecht geht es den Kollegen in Europa. Die fatale Kombination aus sinkenden Werbeeinnahmen und ruinöser Konkurrenz durch Gratis-News im Internet streut Sand in die Druckpressen. Die Herausgeber setzen Journalisten auf die Straße, unterminieren Kollektivverträge und opfern journalistische Qualität auf dem Altar ihrer schmelzenden Profite.
Anders als andere Industrien, die sich erholen werden, wenn die Konjunkturmaschine wieder anspringt, ist es fraglich, ob die Printbranche je wieder aus dem Koma erwacht. Vielleicht ist es falsch, den alten Strukturen nachzutrauern. Vielleicht ist es an der Zeit, dem anzeigenfinanzierten Blätterwald Lebewohl zu sagen. Zeit, vom Gedanken Abstand zu nehmen, dass Journalismus Geld bringen muss. Aber wie ließe sich staatliches Handeln denn sonst kontrollieren? Wer bitte deckt Korruption, Packelei und Misswirtschaft in Zukunft auf?
Es lohnt sich, abermals über den Atlantik zu blicken. Dort, wo die Zeitungskrise am härtesten und am längsten wütet, dort gibt es auch eine lange Tradition alternativer Strukturen. Kleine gemeinnützige Initiativen führen weiter, was große Redaktionen aus Kostengründen einschränken oder aufgeben: investigative Projekte, die wochen- oder sogar monatelange Recherche benötigen. Die die Rolle übernehmen, die Medien idealtypischerweise zukommt: Kontrolleure der Mächtigen, Garanten der Rechtschaffenheit und Wachhunde der Demokratie zu sein.
„Es findet ein Umdenken im Land statt“, sagt Andrew Donohue, Chefredakteur der kalifornischen Voice of San Diego, einer journalistischen Webseite auf Non-Profit-Basis: „Man hat erkannt, dass eine kritische Berichterstattung eine öffentliche Servicefunktion ist. Wenn die Märkte diese Art der Berichterstattung nicht mehr fördern, müssen eben andere Institutionen einspringen.“
Die Voice of San Diego zeigt schön, was Non-Profit-Journalismus vor allem auf einer lokalen Ebene bewirken kann. Angefressen von der butterweichen Berichterstattung der lokalen Tageszeitung, hatte der pensionierte Anleger Buzz Woolley im Jahr 2005 eine Million Dollar in die Hand genommen und eine Redaktion von einem Dutzend Journalisten zusammengestellt. Schnell landete die Onlinepublikation, die auf die Berichterstattung über internationale Politik, Sport, Kultur oder Kunst verzichtet und sich stattdessen auf lokale Missstände konzentriert, Scoops. Der lokale Polizeichef etwa wurde überführt, die Kriminalstatistik nach Bedarf verfälscht zu haben.
Zehn Prozent der Einkünfte der Voice stammen aus Werbeeinnahmen. Der Rest von Zuschüssen des vermögenden Eigentümers und von Spenden der Leser. Dieses System der Finanzierung ist in den USA nichts Neues. Auch das erfolgreiche öffentliche Sendernetzwerk National Public Radio (NPR) funktioniert dank freiwilliger Spenden. Anders als etwa beim ORF werden keine Gebühren bezahlt, sondern die Konsumenten ein paarmal im Jahr mittels quälender NPR-Eigenkampagne zur Kasse gebeten. „Im Rundfunk spielt NonProfit-Journalismus schon lange eine Schlüsselrolle“, erklärt Voice of San Diego-Chef Donohue, jetzt habe dieses Prinzip eben auch den textbasierten Journalismus erreicht.
„Qualitätsjournalismus sicherstellen“, so beschreibt auch Robert Rosenthal vom im kalifornischen Berkeley ansässigen Center for Investigative Reporting (CIR) die Funktion von Non-Profit-Medien. „Es gibt ein beachtliches Potenzial von Energie und Talent in den USA, das sich engagieren will, um in dieser neuen Phase des Umbruchs Lösungen zu finden“, sagt Rosenthal.
Das im Jahr 1977 von einer Gruppe Journalisten gegründete CIR ist die älteste Non-Profit-Organisation in den USA, die sich der Förderung des Aufdeckungsjournalismus verschrieben hat. Mit einem Jahresbudget von 2,5 Millionen Dollar finanziert es Reportagen über Einwanderer, Frauenhandel und über den Drogenkrieg in Mexiko. Das CIR zeigt dabei vor, was jetzt viele andere Institutionen verfeinern: Kooperation von nichtprofitorientierten Institutionen, ehrgeizigen Reportern und Bürgern, die bereit sind, für kritische Information Geld auszugeben.
Dass die Zeitungshäuser heute weltweit in der Krise stecken, ist eine direkte Folge des Internet. Noch immer fehlt es an vernünftigen Geschäftsmodellen, mit Nachrichteninhalten im Netz Geld zu machen. Obwohl die Einnahmen aus Werbung im Internet steigen, haben sie am Gesamtwerbekuchen nur einen Anteil von zehn Prozent. Außerdem müssen Zeitungen im Netz gegen Platzhirsche wie Google, Yahoo, Microsoft und Millionen von Blogs antreten. Letztere waren in der Vergangenheit vor allem dafür bekannt, Nachrichten abzuschreiben und schmarotzend wiederzuverwerten. Die kostenintensive Recherche überließ man den professionellen Medien.
Als die Kolumnistin Arianna Huffington im Jahr 2005 die Huffington Post (HuffPo) gründete, war die Seite nicht mehr als eine Sammlung von Prominenten-Blogs. Schauspieler, Literaten und Universitätsprofessoren deponierten unentgeltlich ihre Gedanken. Während der Präsidentschaft von George W. Bush verdiente sich die HuffPo jedoch ihre Meriten als recherchierendes und – vor allem – nicht der Regierungspropaganda aufsitzendes Medium. Die Nutzerzahlen schnellten in die Höhe. Bald begann die HuffPo Journalisten anzustellen und hob sukzessive die Qualität. Derzeit verzeichnet die Seite nach eigenen Angaben 22 Millionen Besucher im Monat.
Im April rief die HuffPo einen „Investigative Fund“ mit einem Startkapital von 1,75 Millionen Dollar ins Leben. „Eine unserer größten Sorgen angesichts des Niedergangs der Zeitungen ist“, schrieb Huffington in ihrem Blog, „dass seriöser Aufdeckungsjournalismus zu den Opfern der Einsparungen zählen wird.“ Mit den Geldern aus dem Fonds unterstützt Huffington jetzt investigative Rechercheprojekte, die dann kostenlos von anderen Medien übernommen werden können.
Einem ähnlichen Konzept folgt das 2007 gegründete Projekt ProPublica des ehemaligen Wall Street Journal-Chefredakteurs Paul Steiger. Die Familienstiftung der Milliardäre Herb und Marion Sandler stiftet dem Projekt jährlich zehn Millionen Dollar. ProPublica beschäftigt heute 28 Journalisten, die es sich leisten dürfen, ihre Geschichten anderen Medien zur Publikation zu schenken. Erst kürzlich nahm ProPublica Finanztransaktionen der Obama-Administration aufs Korn und brachte zweifelhafte Privateinkünfte der beiden Staatssekretäre Steven Chu und Alan Krueger ans Tageslicht.
Auch wenn sich die Erfolge der Non-Profit-Journalisten sehen lassen können, glaubt ProPublica-Gründer Steiger nicht, dass das Non-Profit-Modell den kommerziellen Journalismus je wird ersetzen können. „Es ist nur ein anderer Weg“, sagt Steiger, „Journalisten für Profitmedien haben in der Vergangenheit hervorragende investigative Arbeit geleistet.“
Steigers ehemaliger Arbeitgeber, die Washington Post, ist das beste Beispiel für eine Zeitung, die viel Zeit und Geld in Enthüllungsjournalismus investierte. Der Watergate-Skandal der 1970er-Jahre, als die Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein dem damaligen US-Präsidenten Richard Nixon nachwiesen, das Hauptquartier der Demokraten verwanzt zu haben, gilt heute als Paradebeispiel einer Aufdeckung. Dass heute in einer Redaktion zwei Mitarbeiter monatelang abgestellt werden, um einer einzigen Sache nachzujagen, ist allerdings inzwischen sogar bei der mächtigen Post selten geworden. Bei kleineren Zeitungen ist ein derartiger Luxus so gut wie verschwunden. Die zu teuer gewordenen Aufdecker finden bei Non-Profit-Medien Unterschlupf, die vielerorts aus dem Boden schießen. In Minneapolis wurde die MinnPost.com gegründet. In Seattle das Umweltmagazin Grist. Europa hat seit kurzem das Bureau of Investigative Journalism, das von den Londoner Philanthropen Elaine und David Potter mit 2,3 Millionen Euro finanziert wird. In Sarajevo sitzt bereits seit 2007 das Balkan Investigative Reporting Network (BIRN), das Reporter bei Recherchen unterstützt.
Eine der innovativsten Seiten ist Spot.us. Die vom Journalismus-Studenten David Cohn gegründete und von der Knight Foundation finanzierte Seite erfüllt auf radikale Weise den Partizipationsgedanken des Citizen-Journalismus. Der Leser kann hier Ideengeber, Herausgeber, Finanzier und Autor einer Geschichte sein: Zunächst werden Vorschläge für Geschichten, online gestellt. In einem zweiten Schritt erklären sich Reporter bereit, die Geschichten zu recherchieren und zu schreiben. Danach wird der Kostenbedarf ermittelt und ein Spendenkonto eröffnet. Ist genug Geld da, beginnt der Reporter zu arbeiten und die Geschichte nimmt Gestalt an.
Inzwischen ist das Non-Profit-Modell derart angesehen, dass es in den USA Politiker vorantreiben. Zur Rettung der Medien schlug der demokratische Senator Benjamin Cardin den Newspaper Revitalization Act vor, der es erlauben soll, Zeitungen von Wirtschaftsunternehmen in Non-Profit-Institutionen umzubauen. Was ihnen Anspruch auf öffentliche Fördermittel und Steuervorteile brächte sowie die Möglichkeit, um Spenden zu werben.
Ist es also die Zukunft des Journalismus: Der Leser spendet einen Geldbetrag, damit eine Geschichte gedruckt werden kann? Werden Journalisten in Zukunft am Trottoir um Kleingeld betteln?
Unter den meisten Beobachtern herrscht Einigkeit, dass gemeinnütziger Journalismus den kommerziellen nicht vollständig wird ablösen können. Zum einen sei der Non-Profit-Bereich nicht finanzkräftig genug, um das Wegbrechen der Inserentengelder aufzufangen. Zum anderen steht Non Profit nicht automatisch für einen besseren Journalismus. „Schädliche Einflussnahme kann von Spendern genauso wie von Inserenten kommen“, warnt Paul Steiger von ProPublica. Die Redaktionen müssten so oder so um ihre Unabhängigkeit kämpfen. „Non-Profit-Journalismus ist nicht die einzige Antwort“, sagt auch Donohue von der Voice of San Diego, „aber er ist ein Teil eines gesunden und vielfältigen medialen Ökosystems, den man durchaus noch ausbauen sollte.“
© Nachdruck bzw. Textübernahme - auch auszugsweise -
nur mit schriftlicher Genehmigung der Falter Zeitschriften Gesellschaft m.b.H. gestattet.
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