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Schmidts BewährungLouis BegleyChrista Krüger Aus dem Amerikanischen übersetzt 2001 | Suhrkamp, Frankfurt a. M. 313 Seiten
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Rezension
...An einer Stelle imaginiert Simmons eine Szene im Chefbüro, während der der Satz "Aber das können wir ihm nicht zumuten" fällt. Und der Icherzähler "wird merken, dass über ihn gesprochen wurde und dass man in ihm einen alternden Verlierer sieht, dem man seine Illusionen nicht zerstören will". Diese Phase hat Albert Schmidt schon hinter sich. Als Frühpensionist hat er New York und der mondänen Anwaltskanzlei Wood & King den Rücken zugekehrt. In "Schmidt" (1997) haben wir Schmidtie, wie ihn Freunde nennen, mit gebrochener Rippe in der Pflege von Bryan zurückgelassen - dem Ex von Schmidties blutjunger Freundin, der puertoricanischen Kellnerin Carrie.
In "Schmidts Bewährung" ist eigentlich soweit alles beim Alten. Freud und Leid sprudeln munter aus denselben Quellen: Mit Carrie hat Schmidt Sex, mit seiner Tochter Charlotte nur Ärger. Dass Letztere sich mit ihrem ehrgeizigen, von Schmidt verachteten Gatten überworfen hat, nachdem dieser eine berufliche Niederlage im Cinemascope-Format erlitten hatte, stimmt den (Schwieger-)Vater auch nicht fröhlicher. Charlottes Forderungen an ihn haben sich dadurch nicht grundsätzlich geändert: Sie will Geld. Ziemlich viel Geld.
Keiner Figur ist Begley bislang so nahe gekommen wie Schmidt. Die Erzählkommentare und Briefe, die als Element der Distanznahme in "Schmidt" eingefügt waren, fehlen im jüngsten Roman völlig. Und Begley-Leser haben möglicherweise längst vergessen, dass "Bonhomie nicht zu Schmidts hervorstechendsten Merkmalen" gehört. Nun zählt eine große Imaginationskraft in Hinblick auf unangenehme Menschen und Situationen ganz entschieden zu den hervorstechendsten Merkmalen des Autors, und so hat sich dieser für Schmidtie noch ein paar Zusatzprüfungen einfallen lassen.
Bryan ist von seinem Renovierungsjob in Florida zurückgekehrt, jammert Schmidtie mit seiner Ich-dachte-wir-wären-Freunde-Nummer die Ohren voll und ergeht sich in Details über Carries reichhaltiges Sexleben. Neu auf der Besetzungsliste hingegen ist Michael Mansour, ein ebenso reicher wie paternalistischer ägyptischer Jude, der Schmidtie mit Einladungen, Ratschlägen und unerbetenen Freundschaftsdiensten drangsaliert. Und schließlich wäre da auch noch Mansours Leibwächter Jason, mit dem Carrie offensichtlich nicht nur Sport betreibt: "Ich meine, du bist schon okay und gesund und alles, aber, Mensch, Schmidtie, du bist älter als mein Dad."
Mit "Schmidts Bewährung" erweist sich Begley als Meister der Empathie, dem es weniger um die Entlarvung von Lebenslügen als um die Erfindung von Lebenslagen geht, an denen wir unsere Herzensbildung trainieren können - was so ziemlich das Gegenteil zu jener selbstgefälligen Gefühligkeit ist, mit denen uns schlechtere Literatur zu ködern sucht. Der Roman führt uns diesmal bis nach Paris, wo Schmidtie und Charlotte auf einer Parkbank Gelegenheit zu einer längst fälligen Aussprache haben. Damit ist zwar noch nicht alles im Lot, aber eine gute Basis für die nächste Folge geschaffen. Denn eine Schmidt-Trilogie ist wohl das Mindeste, was wir von Mr. Begley erwarten dürfen.
Weiters in dieser Rezension besprochen:
- Amrita | Banana Yoshimoto
- Austerlitz | W.G. Sebald
- Die Unwissenheit | Milan Kundera
- Pribers Paradies | Ursula Naumann
- Unpolitische Erinnerungen | Erich Mühsam
- Outland | Roger Ballen
- Im Grenzland | Sherko Fatah
- Das Traumpaar | Jörg Uwe Sauer
- Mein Studium ferner Welten | Alex Capus
- Maigret und der Fall Simenon | Maurizio Testa
- Leben und Tod des Kornettisten Bix Beiderbecke aus Nord-Amerika | Ror Wolf
- Aiko T. | Michel Comte
- Lebensfalten | Charles Simmons
- Kismet | Jakob Arjouni
- Robbie Williams | Hamish Brown
- Das besondere Gedächtnis der Rosa Masur | Vladimir Vertlib
- Das Fest des Ziegenbocks | Mario Vargas Llosa
- Im Verborgenen | Serge Daney
- Mostly People | Erika Stone
- Neununddreißigneunzig | Frédéric Beigbeder
- Herren | Warwick Collins
- Die große Beleidigung | Wolf Wondratschek
- Gribbohm | John Bock
- Selige Witwen | Ingrid Noll
- Bellinzona, Nacht | Martin Gülich
- Kathedrale | Raymond Carver
- Das Ring-Buch | Gerald Pototschnig













