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Schwimmbad im RegenYoko OgawaUrsula Gräfe, Kimiko Nakayama-Ziegler Aus dem Japanischen übersetzt 2003 | Liebeskind, München 157 Seiten
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Rezension
... Yoko Ogawa, 1962 geboren, zählt zu jener Generation, für die der nach dem Krieg spürbar werdende Einfluss des freien Westens als Korrektiv der nationalen Traditionen immer schon zur Normalität gehört. Ihr Erzählband "Schwimmbad im Regen" zeigt, dass die erzwungene Öffnung Japans dort am nachhaltigsten wirkt, wo das kulturelle Erbe heute dem westlichen Kulturdruck wieder zu widersprechen wagt. Ogawas Sprache ist geprägt von der stilistischen Strenge einer bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert von internationalen Einflüssen weitgehend isolierten Literatur. Thematisch aber sind die drei in dem Band "Schwimmbad im Regen" versammelten Erzählungen keineswegs rückwärts gewandt. Die beste von ihnen, "Tagebuch einer Schwangerschaft", etwa greift ein brandaktuelles Thema auf, dem westliche Autoren eher hilflos gegenüberzustehen scheinen. Eine Verkäuferin vertraut ihrem Tagebuch ihr Wissen darüber an, dass jene Pestizide, mit denen Grapefruits behandelt werden, Genmutationen auslösen. Dennoch besorgt sie sich Tag für Tag Früchte, um Marmelade für ihre schwangere Schwester zu kochen. So beiläufig, wie sie ihre Angst vor dem behandelten Obst gesteht, so gefasst notiert sie im letzten Satz: "Ich ging auf den Raum mit den Neugeborenen zu, um mir das behinderte Baby meiner Schwester anzuschauen."
Ogawas disziplinierte Sprache erzwingt einen nüchternen Blick auf die Konsequenz: Die Betroffenen müssen sich arrangieren. Für europäische Leser aber liegt es angesichts dieser Literatur nahe, neben den esoterischen Elementen nun endlich auch jene Module der japanischen Kultur zu entdecken, die sich nach der "Katharsis" von 1945 als resistent erwiesen haben.
Weiters in dieser Rezension besprochen:
- Tsubaki | Aki Shimazaki














