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 Spricht das Kind  

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Spricht das Kind

David Wagner
2009 | Droschl, Graz, Wien
138 Seiten

EUR 18,00kaufenverschenken

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Rezension

Nummer eins wurde zu klein, das Kind wuchs heraus. Nummer zwei war zu schwer und ließ sich schlecht manövrieren. Wagen Nummer drei ging kaputt, Nummer vier wurde gestohlen. Nummer fünf blieb in Spanien, es lohnte sich nicht mehr, ihn mit zurückzunehmen, Nummer sechs verlor ein Rad, Nummer sieben fährt noch, gerade eben so. Jetzt kann das Kind laufen.“ David Wagner (Jg. 1971) hat nach den beiden Prosabänden „Meine nachtblaue Hose“ (2000) und „Was alles fehlt“ (2002) lange kein Buch mehr publiziert. Jetzt weiß man, warum: In der Zwischenzeit widmete sich der deutsche Autor und Journalist mehr dem Windelwechseln, Vorlesen und Kinderwagenschieben.
Mit dem Text „Kinderwagen“ beginnt er in „Spricht das Kind“ eine Reihe von Betrachtungen und Miniaturen, die er beim Beobachten seiner kleinen Tochter angestellt hat. In einer klaren, bis zur Unscheinbarkeit unprätentiösen Sprache formuliert er Gedanken übers Kindsein, Erwachsensein und Kindgewesensein. Immer wieder kommt er auf seine eigene Beziehung zum Vater zurück und auf die früh verstorbene Mutter, deren Schuhe er als Bub anzieht, während sie noch im Krankenhaus liegt, deren Schokoladenverstecke er systematisch aufspürt und plündert. Fast muss er sich maßregeln: „Die Geschichte mit meinen Eltern ist nicht mehr die wichtigste Geschichte der Welt. Ich habe jetzt eine eigene Firma.“
„Spricht das Kind“ hebt sich angenehm von der Fülle an Eltern-Kinder-Ratgeber- und Erlebnisliteratur ab, ohne den Anspruch erheben zu können, große Literatur zu sein. Interessanterweise ist Wagner dann am besten, wenn er sich auf das Offensichtliche konzentriert, Kindermund protokolliert: „Riech mal, sagt das Kind, und hält mir seine Faust unter die Nase, riecht nach Friedhof. Die Faust ist noch sehr klein.“ Andere Passagen wirken tendenziell überstrapaziert. Der Autor ist nicht Proust, will jedoch in allem eine Erinnerung erspüren. Gut, dass dann wieder die Kleine das Wort ergreift: „Und was willst du später mal werden? fragt das Kind, und ich erschrecke. Bin ich noch nichts geworden? Hat das Kind mich durchschaut? Ist der Kaiser nackt?“

Sebastian Fasthuber in Falter : Woche 5/2009 vom 28.1.2009 (Seite 17)

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