Rezension
Tanguy Viel ist verschwenderisch mit evozierten Bildern und sparsam mit seiner Sprache: Es genügen Andeutungen, und schon entsteht eine kühle, spannungsreiche Atmosphäre. Viel klaut frech aus der Requisitenkammer der großen Filme, er muss nicht alles auserzählen, denn die Szenen entstehen wie von selbst im Kopf des Lesers. „Das absolut perfekte Verbrechen“ ist ein kurzer Roman, der das Krimigenre nutzt wie etwa Godard den Gangsterfilm; mit leichter Hand erzählt Viel von Schwermut, Schuld und Rache.
Der Plot ist dabei fast nebensächlich, er erscheint wie eine Stahlkonstruktion, die schon viele Romane und Krimis getragen hat: Der Erzähler, ein von Anfang an melancholisch und resigniert erscheinender Mann, ist Teil einer Gruppe von Ganoven. Der sogenannte „Onkel“ hat sie um sich geschart zu einer mafiösen Gesellschaft im Kleinstadtformat. Marin, gerade aus dem Gefängnis entlassen, möchte der Familie zu Ruhm und Ehre und natürlich viel Geld verhelfen und heckt einen schier undurchführbaren Plan aus: Ziel der kriminellen Begierde ist das örtliche Casino … Tanguy Viel schreibt keine Genreliteratur, sondern nutzt ein Genre, um schneller zum Wesentlichen vordringen zu können: zu Stimmungen, Desillusionierungen und handfesten Konflikten.
Ulrich Rüdenauer in Falter : Woche
21/2009 vom 20.5.2009 (Seite 21)
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