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 Ohne di  

Ohne di

Ernst Molden
Juli 2009 | Monkey | Lokal / Global
CD
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Rezension

Das neue Molden-Album: Nationalpark Wien Mitte

Komischerweise ist in Ernst Moldens Liedern ständig von der Natur die Rede, obwohl sie fast alle in der Stadt spielen. Auf seinem neuen Album „Ohne di“ besingt er den Wind („Da Wind“) und die Berge („In de Beag“), die Blüten in der Frühlingsluft („De Blia“) und die Sonne, die hinter einem Wald aus Schornsteinen untergeht („Woed aus Rauchfeng“). In Moldens Lyrics ist die Stadt ein Biotop und ein großer Abenteuerspielplatz: Nationalpark Wien Mitte.
Der Bonustrack auf seinem letzten Album „Wien“ (2008) war der im Duett mit Willi Resetarits eingespielte Song „Hammerschmidgossn“, in dem Molden sich an die Gstettn seiner Kindheit erinnerte. Es war die einzige Dialektnummer auf der Platte und für viele Hörer auch deren bester Song. So gesehen ist die neue CD der logische nächste Schritt: Alle Lieder auf „Ohne di“ sind im Dialekt geschrieben, auf fast allen ist Willi Resetarits zu hören – auf einer der besten Nummern, „Schbed in Summa“, sogar solo.
Es ist Moldens erstes „richtiges“ Dia­lektalbum (auf dem gleichzeitig mit „Wien“ veröffentlichten „Foan“ waren nur Coverversionen drauf), aber irgendwie ist das gar nicht der Punkt. So groß ist der Unterschied zu den hochdeutschen Songs dann auch wieder nicht. Mehr verändert hat sich auf der musikalischen Ebene. Der rockige Molden klingt auf dem unkonventionell und karg instrumentierten „Ohne di“ fast puristisch. Aus der Stammband ist nur Gitarrist Hannes Wirth dabei, es gibt weder Bass noch Schlagzeug, dafür spielt der Akkordeonist Walther Soyka eine dominante Rolle.
Soyka ist einer der wichtigsten Musiker der neuen Wienerliedszene, aber beim Heurigen wären diese Lieder fehl am Platz. Die Musik klingt immer noch mehr nach Prärie als nach Wiener Becken, und in den lakonisch-poetischen Texten ist die Atmosphäre wichtiger als der Schmäh. Jetzt noch einen Hit, dann sind wir weich.

Wolfgang Kralicek in Falter : Wien 27/2009 vom 1.7.2009 (Seite 24)
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