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 Else Pappenheim  

Else Pappenheim

Beiträge zur Geschichte der Psychoanalyse, Psychiatrie und Neurologie
Bernhard Handlbauer
2004 | Nausner & Nausner, Graz
620 Seiten

EUR 42,20kaufenverschenken

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Rezension

Zwei Sammelbände beschäftigen sich auf höchst unterschiedliche Weise mit der Vergangenheit und der Zukunft von Freuds Lehre - und schlagen Brücken zu den Neurowissenschaften.

What makes people tick? Was motiviert die Menschen?" Else Pappenheim hat sich zur Beantwortung dieser Frage zeitlebens der Psychoanalyse anvertraut. Mit ihr könne man "mehr über eine Person lernen als auf jede andere Art", so ein Fazit der heute 93-Jährigen. Pappenheim - nicht verwandt oder verschwägert mit Bertha Pappenheim, der Frau hinter Freuds berühmter Fallstudie Anna O. - gehörte zu den letzten Ausbildungskandidaten der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung in der Berggasse. Im Buch "Else Pappenheim. Hölderlin, Feuchtersleben, Freud", herausgegeben vom Psychotherapeuten Bernhard Handlbauer, zieht sie eine Bilanz ihres Lebens und präsentiert einen Überblick über ihre klinischen Beiträge.

Geboren wurde Pappenheim im Mai 1911 in Salzburg, ihre akademische Laufbahn begann sie 1935 in Wien. Freud selbst sollte sie nie kennen lernen, ihre psychoanalytische Ausbildung erfuhr sie erst nach ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten in den USA. Speziell die in New York ansässigen Psychoanalytiker zeigten sich wenig begeistert von den vielen neuen Kollegen aus Europa, erzählt Pappenheim, und so ging sie nach Baltimore an die John Hopkins University zu Adolf Meyer, einem der damals renommiertesten Psychiater.

In ihrem Rückblick spart sie nicht mit Kritik an der psychoanalytischen Praxis ihrer neuen Heimat. Speziell die Tätigkeit der Analytiker in New York mit ihren oft "unreflektierten und verwässerten Methoden" wird schonungslos kritisiert: "Viele haben sich den Beruf ausgesucht, weil man stumm hinter der Couch sitzen konnte." Ihre Heimatstadt Wien, in die sie immer wieder zurückkehrte - zuletzt Mitte März - kommt dabei vergleichsweise gut weg.

Else Pappenheim ist ein Beispiel für die durch die Emigration "ermöglichte" Entwicklung der Psychoanalyse. Methodisch vertraut die gelernte Neurologin und Psychiaterin bis ins hohe Alter den Fortschritten in den Neurowissenschaften und verweist dabei auch auf die Arbeit eines anderen jüdischen Emigranten: Eric Kandel, führender Neurowissenschaftler und Medizin-Nobelpreisträger 2000, dem zufolge die Psychoanalyse "die kohärenteste und intellektuell zufriedenstellendste Sicht" auf das psychische Geschehen bleibt. Die Fortschritte der Neurobiologie, so Pappenheim, "wären von Freud begrüßt worden. Schon 1914 [...] sprach er die Hoffnung aus, eines Tages würden wir das organische Substratum für psychologische Phänomene verstehen. Ich glaube, wir sind auf dem Weg dazu."

(...)

Lukas Wieselberg in Falter : Wien 13/2004 vom 24.3.2004 (Seite 43)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

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