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Nacht über AlgierYasmina KhadraFrauke Rother Aus dem Französischen übersetzt 2006 | Aufbau, Berlin 402 Seiten
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Rezension
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Von seinem Geburtsland erzählt auch der unter dem Pseudonym Yasmina Khadra schreibende und seit 2001 im französischen Exil lebende Mohammed Moulessehoul, ehemals Offizier der algerischen Armee. „Nacht über Algier“ spielt im Jahre 1988, in dem nordafrikanischen Staat herrscht noch relativ unangefochten das Einparteienregime der FLN. Aber auch nach der Novemberrevolution, die 1962 nach einem der blutigsten Kolonialkriege die Unabhängigkeit von Frankreich brachte, haben im neuen, gute Kontakte zur Sowjetunion unterhaltenden System Korruption und eine seltsame Form der Heldenverehrung Einzug gehalten.
Auch Kommissar Llob betrachtet stolz seine Vergangenheit im Freiheitskampf, doch er ist zum Zyniker geworden, sieht überall die aufgehaltenen Hände der Beamten, die Armut der Bevölkerung, den grassierenden Alkoholismus, das Elend seines einst prächtigen, nun herabgewirtschafteten Algiers. Gleichzeitig stößt er an die gläserne Decke, weil er sich selbst nicht in die Bestechungsmaschinerie einfügen will.
Schwierigkeiten bereitet ihm auch sein Untergebener Lino, der sich ausgerechnet mit der Geliebten eines schwerreichen unantastbaren Helden der Revolution einlässt. Als dessen Fahrer erschossen und Linos Waffe am Tatort gefunden wird, glaubt nur Llob an ein Komplott. Lino findet sich folgerichtig im Folterkeller der Staatspolizei wieder. Der Kommissar erhält unerwartet Hilfe von einer Historikerin, und zusammen decken sie Verbindungen des Bonzen auf, die tief an die Wurzeln des Mythos von der sauberen Revolution rühren. Die Erzählung vom mutigen Kommissar, der erkennen muss, dass er in eine Intrige verstrickt wurde, nährt ihre Spannung vor allem durch die Einsichten über einen Staat unmittelbar vor Ausbruch eines verheerenden Bürgerkriegs, auf den der Autor dann im Nachwort zu seinem Roman eingeht.
Mit seinem Ich-Erzähler Llob, der schon in mehreren Romanen in Algier und Umgebung ermittelte, hat sich Khadra sein Alter Ego geschaffen – einen unbestechlichen Beamten und einigermaßen frommen Moslem, der in seiner Freizeit Kriminalromane schreibt. Er registriert, dass sich einige Männer weigern, mit der (nicht verschleierten) Historikerin auch nur zu reden. An den hin und wieder auftauchenden sexistischen Anmerkungen hingegen stößt sich weder der Kommissar noch Yasmina Khadra.
Weiters in dieser Rezension besprochen:
- Das falsche Spiel des Fischers | Roberto Mistretta
- Und Feuer fiel vom Himmel | Batya Gur

















