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Fragen Sie Frau AndreaFantastische Kolumnen aus der Wiener Stadtzeitung FalterAndrea Maria Dusl 2003 | Falter Verlag, Wien 200 Seiten EAN 9783854393184
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Auch erhältlich als:
| Sonderedition für Falter-Abonnenten | EUR 14,50 |
Das ultimative Briefkastentanten-Buch! Frau Andrea gibt in 107 Kolumnen Antwort auf die unerhörtesten Fragen. Das beliebte Frage- und Antwortspiel in seiner intelligentesten und witzigsten Form.
Neben vielen anderen Talenten – Zeichnen, Filmemachen (zuletzt „Blue Moon“) – ist Andrea Maria Dusl auch eine begnadete Briefkastentante. In ihrer seit 1996 wöchentlich im Falter erscheinenden Kolumne „Fragen Sie Frau Andrea“ setzt sich Comandantina Dusilova mit den Verrücktheiten des Alltags und dem Alltag von Verrückten auseinander.
Was passiert mit den verschwundenen Socken in der Waschmaschine? Wie verhält sich Michail Gorbatschow im Flugzeug? Warum trinken die Mächte der Finsternis kalten Kakao? Das sind einige der Fragen, denen sich Andrea Maria Dusl ausführlich und mit gebotenem Ernst widmet.
Pressestimmen
Kleine funkelnde Texte, die immer wieder Oasen in grauer Zeitungslandschaft sind.
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Seit sieben Jahren werkt die Regisseurin ('Blue Moon') und Zeichnerin Andrea Maria Dusl in der Wiener Stadtzeitung 'Falter' als Briefkastentante.
'Fragen Sie Frau Andrea' lautet der Titel ihrer wöchentlichen Kolumne: Dusl biegt darin wunderlich – nie zynisch oder abgefeimt – Sachverhalte zurecht,zimmert aus Randbemerkungen Gravitätisches und präsentiert byzantinisch verschlungene Nachdenkprozesse: 'Wien liegt ganz einfach und sehr sicher am Inn.' Darüber hinaus ist sie Hobby-Ermittlerin 'Wo beginnt der Kosmos, und wo endet er?') und Virtuosin im Verweigern des Mainstreams: Nur bei Dusl ist über das Stuhlgangverhalten von Superman ('Superharndrang würde allerdings eine Superharnblase voraussetzen, weshalb der Verdacht nahe liegt, Superman verfügt auch über Superharnverhaltung') zu lesen, nur hier wird Papierfalten zur fröhlichen Wissenschaft ausgerufen. 'Fragen Sie Frau Andrea', der Kolumnen-Band, versammelt nun 107 der kleinen funkelnden Texte, die immer wieder Oasen in grauer Zeitungslandschaft sind.
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Das alles leitet den Fluss nur ein bzw. über zu Andrea Dusl, die Konkolumnistin aus dem gleichen Falter, die ihre besten Kolumnen als Buch herausgebracht hat. Denn: Es ist unerträglich, dass andere eine bessere Kolumne schreiben als du. Sie wusste, es würde mir wehtun, wenn ihr Buch nun erscheint, und darum hat sie es mir zur Abmilderung gewidmet. Es steht auf einer extra Seite: Hermes Phettberg gewidmet. Jetzt haben wir alle vier Kolumnisstinnen des Falter einen Sammelband unserer Kolumnen, nur Klaus Nüchtern hat bereits zwei. Also am 16. Oktober in der wundervollen Buchhandlung Leporello präsentierte Andrea ihr Buch, drückte einen roten Stempel dazu, der einen von ihr gezeichneten großen Stern darstellt, mit roter Stempelfarbe und besuchte mich schon ein paar Tage vorher mit dem selben Stempel und seinem roten Kissen und schrieb: 'Lieber Hermes, ohne Dich und Deine Gültigkeit gäbe es weder meine Kolumne noch dieses Buch. Zu unendendem Dank umarme ich Dich. Deine Andrea, Deutscher Sprachraum, Pfarre St. Ägyd, Deine Wohnung am Dienstag den 14. Oktober 2003.' Und dann blätterte ich weiter auf Seite sechs und dort ist richtiggehend hineingedruckt in das Buch: Dieses Buch ist Hermes Phettberg gewidmet.
Jetzt kann ich keine Bücher mehr lesen. Als 'Auslöschung' von Thomas Bernhard als Taschenbuch erschien, habe ich das noch gelesen, dann ist Bernhard sofort gestorben und auf den Döblinger Friedhof begraben worden. Ich bin noch zum Grab, denn gleich, wo Dr. Thau, mein Psychiater ordinierte, fuhr der 40A ab, und darauf stand 'Döblinger Friedhof', und dann stand ich am Grab mit dem berühmten verschlossenen Tabernakel und danach habe ich nie wieder gelesen. Das war kein Konzept, es ergab sich so. Ich habe alle Ruhe verloren. Kann nirgendwo mehr eintreten. Ich kriege keinen Sado, keiner versohlt meinen Arsch, und hat dabei eine Innigkeit. Nun ist Andrea Dusl eine Frau, und also ich schwul, aber es dürfte tatsächlich so sein, dass meine Unsicherheit wirklich zur Kenntnis nehmen muss, dass sie mich mag. Mag klingt wie Magen. Ich habe natürlich ständig angst, wenn mich wer mag, muss ich der bleiben, der ich in dem Moment war, als ich den Mögensreflex auslöste dort. Jetzt kann ich mich ja grundsätzlich nicht benehmen, bin verhaltensgestört, wie sehr ich mich auch - nach Art der Hochhäuser - zusammenreisse, nächtens krümme ich mich, wieder nicht der gewesen zu sein, der ich so gerne die Mögensreflexe auslöste. Und nun wird es schon bald Jahrzehnte, dass mich Andrea Dusl mag. Ob ich wen mag oder nicht, steht ja nie zur Debatte, denn ich bin allen untertan kraft dessen, dass sie mich weiter leben lassen, und nicht etwa auf der Stelle erschlagen. Was ich gewärtige in jedem Moment. Nun also hat Andrea Dusl drei Bleistifte auf ihre Seite 1 gezeichnet, einen aus Stahl, abgestumpft, einen aus Diamant, abgestumpft, und einen aus Andrea, und damit hat sie ihr Buch geschrieben, und die Bleistiftspitze, also Andreaspitze, ist unversehrt spitz geblieben. 'Fragen Sie Frau Andrea' ist in ca. ein Dutzend Kapitel untergeteilt, und am Beginn ist jeweils eine Zeichnung Dusls gestellt. Und diese allein sind es wert, in jede Bibliothek aufgenommen zu werden. Ich sehe solche Zeichnungen sonst gar nirgends. Eine eigene Art erfunden also. Die ja schon in dem vorjährigen Spielfilm von ihr, und natürlich im Falter seit vielen Jahren zu finden sind, aber, vielleicht auch, weil die Zeitungsrotation des Falter das nicht gestattet, aber in der Drucktechnik des Buches kommen Schatten und Schmutzbäulen so gut raus, aus diesem schwarz-weiß, dass es allein deshalb schon eine Wucht ist. Aber natürlich gerate ich immer mehr ins Lügen, je älter ich werde, weil ich ständig eine Wohltat sein will den Läuten (erstmals total absichtlicher Rechtschreibfehler!), weil ich weiß, wie weh es tut, wenn niemand nett zu dir ist. Niemand dich zum Sklaven nimmt, den du gerne zum Sado hättest. Abgöttisch anhimmelst und der geht an dir vorüber. So also bin ich nett geworden. Und zum Wiener. Eine höflicher Schleim. Und ich lobe das Buch von Andrea Dusl und ich weiß natürlich jetzt nicht, wie weit ich in dieser meiner Schleimspur bin, denn die ist mir zur zweiten Natur geworden. Ich will wirklich den andren wärmen, und hebe auch oft an, den Bogen zu nehmen, wie ich Nuancen einfließen lassen könnte, aber ich spüre dann an den gegenüberliegenden Augen, das große Flehen des Monsters, verschont zu werden, denn sonst gibt es Kekse. Natürlich habe ich Andreas Buch nicht gelesen jetzt extra, aber ich lese doch ziemlich oft im Falter zumindest die kleineren Texte. Also vor allem auch von der Schmutzkonkurrenz, das 'Tier der Woche', den 'Nüchtern betrachtet', 'Kraliceks Lecken', das 'Mädchenzimmer', das die selben versauten Buben anhimmelt wie ich, ich lese 'Wurmdoblers Flattersatz' und natürlich die Dusl. Das zumindestens les ich jede Woche. Und schau, ob der Schlusssatz beim Chefredakteur steht. Das zumindest. Und in der Tat, ich kann 'Fragen Sie Frau Andrea' dem Buchhandel wahrlich anempfehlen. Als Zugmieze zum Liebhaben, so ein haptisch sexy Buch, schön und voll Lebensfreude, und ein Text ist im Buch sogar versteckt! Natürlich ist es ein Verbrechen, anagitiert wie wir sogar am Kulturradiosender Ö1 schon um 6 Uhr früh werden, doch die frühgotischen Choräle des Senders auf CD, zehn Scheiben im Schuber zu kaufen. Was das Ende jedes Morgens ist. Also kann ich natürlich jetzt nicht anfangen, anzuempfehlen, Dusls Buch zu kaufen, aber vielleicht kann es wer stehlen!
Dass mich Andrea Dusl, trotz mir, seit so vielen Jahren also weiterhin so zugewendet, aufmerksam und einfühlsam achtet, dürfte doch beginnen für sie zu sprechen. Natürlich wird sie auch lügen, um mir nicht weh zu tun, aber wer sich so bemüht, zu lügen, kann keine ganz schlechte sein. Es dürfte sich als verlässlich stabile Neurose in ihr eingenistet haben, mich kontinuierlich zu mögen. Denn ich zittere Tag und Nacht in irgend eines Menschen Ungnade zu fallen. Und kriege natürlich deshalb allein weder Prügler noch Vollstrecker. Oder weil sie ekelhafte Arschlöcher sind, die kein Mitleid kennen mit einem der im Rinnsal liegt, und dort gerne angeschmiedet werden möchte. Wieso hält Andrea Dusl so eisern an mir fest? Wäre ich denn wirklich rezipierbar? Ja, wir gehen am Bahnhof vorbei und kaufen ein Buch, blättern darin, haben natürlich wieder so viel Geld ausgegeben heute, sodass wir entmündigt gehörten. Aber wie es jetzt scheint, dürfte Andrea wirklich zum Vormundschaftsgericht gehen und wie eine ganze Weiberarmee gegen meine Entmündigung kämpfen. Bitte, alle die mich lieb haben, kauft Andreas Buch. Es wird Ihr Schaden nicht sein. Ich kann nicht mehr schreiben, dass Andrea Dusl eine besondere wäre usw. Denn es existieren Ideen zu einer Kultur der Distanz. Ein in sich beruhen. Gültigsein in jedem Fall. Ich kann das nicht entdecken, aber kognitiv begeistert es mich natürlich. Ich brauch einen beherzten Kerl, der einmal einen Vormittag ein Grausen sich nimmt, was Unangenehmes halt, und sich denkt, den zieh ich jetzt durch, schmiede ihn ein bissl an ins Verlies, und soll er halt abspritzen, ich hab schon viel Altruismus getrieben. Treibe ich den halt auch. Er ist einer a priori. Und muss ab und zu gültig gemacht werden, von einem Eiweißhaufen, der sich halt hergibt einen Vormittag lang in versaute Bluejeans schmeisst, und halt eine Vorlesung auf der Uni einmal schmeisst einen Vormittag. Hingeht als Vollstrecker. So wie ein Buch gekauft wird, wie in Veranstaltungen gegangen wird, weil Flagge gezeigt werden muss. Wieso kann ich mich nicht hinsetzen und ein paar nette Zeilen über das Buch Dusls schreiben. Eine beherzte Buchrezension über eine liebe Freundin, die dich, ja nun wirklich, wider alle Logik, zu mögen scheint. Es ist auf jeden Fall ein schönes Buch, hat eine vollendet rote Farbe im Umschlag und ist so gebremst glatt beim Angreifen, dass du unweigerlich die Finger darüber spielen lassen musst, wie über einen engen Denimarsch, du nimmermehr aufhören willst, zu gleiten. Und natürlich geht das bei so Fetten nimmermehr, wie mir. Es müsste sich halt wer opfern, mich ein bisserl in seine Obszönität gasserln gehen lassen. Wie generöse Hundehaltys, das Tor einen Spalt auftun für den Hund, der dreht seine dirty Runde, und kehrt so gern wieder zurück.
Vielleicht aber sollte ich auch was Kritisches schreiben über das Buch. Es ist keine einzige Zeile der vielen vielen Texte Dusls über ihren Wettergot Om Dohm Khom drinnen. Diese sind alle im Internet zu lesen unter http://www.geocities/Pentagon/4404/omdhomkhom.html
Das könnte genauso ein Buch sein. Und eines Tages hat Andrea Dusl aufgehört für ihren Wettergott so sehr zu kämpfen, dass niemand gewagt hätte, ihn fallen zu lassen. Was aber wenn sie mich einmal aufhört zu mögen? Manche meinen, dann würde es andere geben, die mich dann schätzen würden. Irgend ein Schatz ergibt sich immer? Wenn ich aber niemals einen Jeansboy fand, der sich ein Herz nahm. Ich kamm nich nicht abfinden, dass ich etwas, was so beiläufig so Millionenfach täglich geschieht, dass wer Gassi gegangen wird, dass wer wo angekettet wird, ein bisschen gekreuzigt, Millionen Messen werden täglich gelesen, aber kein Vollstrecker für mich. Ich kann mich noch gut erinnern, als mein Buch erschien. Immer wieder holte ich es aus dem Kasten und streichelte mit den Fingern darüber, liebkoste ein Sätzchen mit den Bupillen (bl. Tippfehler!), aber hätte ein bleicher Jeansboy an mein Hosentürl geklopft, wäre das schöner gewesen. Aber du kannst doch nicht von vornherein sagen, wenn wer dein Buch verlegen will, nein, wenn ein Jeansboy kommt, wär mir das lieber? Denn dann geht der Jeansboy wieder, ja du willst es sogar, dass er wieder geht, denn du willst vielleicht was essen, oder deine Ruhe, und dann hättest du trotzedem ganz gern ein eigenes Buch im Kasten. Ich bin so arg, und treib sogar eigene Wehrkraftzersetzung, sodass sich alle hinsetzen werden, die das gelesen haben, und sagen werden, so ganz ernst kanns ihm nicht sein. Er würde ja auch viel weniger fressen, wenn er wirklich Prügel wollte, damit er den Messelesern Gusto machen könnte, dass ihnen der Saft zu rinnen begänne. Indem ich einen Satz schreibe, sieht es ja so aus, als ob ich nicht in den Rinsal wollte, angeschmiedet in der Jauchgrube, doch ich will beides! Und auch das Messen übertragen werden im Fernsehen. Vielleicht kann ich deshalb nicht loben, weil eh alles existiert, was existiert. Und alles was ich schreiben kann, nicht existieren kann. Und das halt ich nicht aus.
Hermes Phettberg, Predigtdienst vom 3.11.03
Witzig-schräge Briefkastentexte.
Wienerin

















