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TIER DER WOCHE von Peter Iwaniewicz

Peter Iwaniewicz   |   Bernd Püribauer

peter_iwaniewicz.jpgNein, hinter dem Namen ’Peter Iwaniewicz’ verbirgt sich nicht ein sechsköpfiges Dr.-Sommer-Team, sondern tatsächlich dieser selbst.
Er arbeitete als Kulturvermittler im Museum Moderner Kunst, später als Naturführer in den österreichischen Outbacks von Simmering bis zu den Alpen. An der Universität Wien unterrichtete er das Fach Naturinterpretation.
Bambi, Sau und Zeitungsente
Seit 1993 schreibt er unter anderem im FALTER die Kolumne "Tier der Woche".

Sein Buch "Bambi, Sau und Zeitungsente" ist im Falter Verlag erschienen und kann im Falter bookshop bestellt werden. Für Leute, die Tiere mögen. Und auch solche, die sie hassen.

Die Entwicklung zum Zoologen

Der folgende Textauszug erschien ungekürzt in der Zeitschrift "Der Rabe" im Haffmanns Verlag und gibt tiefe Einblicke in die traumatische Entwicklung zum Zoologen.

Das Leben – ein Trauma
Früher konnte ich Spinnen auf den Tod nicht ausstehen. Kein Topf mit Balkonblumen, kein Beserlpark und auch keine Toilette, wo nicht die potentielle Gefahr bestand, von acht haarigen Beinen berührt zu werden. Und die Erzählungen über die unerträglichen Schmerzen, die der Biss einer Kreuzspinne verursachen kann, waren von konkurrenzloser Dramatik.

Selbst professionelle Spinnenliebhaber haben manchmal Schwierigkeiten, sich mit bestimmten Arten anzufreunden. So berichtetet der Arachnologe W. S. Bristow, dass er nie die Furcht vor der sehr langbeinigen und kommunen Hausspinne (Tegenaria atrica) habe überwinden können. Auch das von ihm in diesen Fällen angewandte und bewährte Rezept dagegen, nämlich das betreffende Tier zu essen, hätte bei ihm keine nachhaltige Wirkung gezeigt.

Bis zum Beginn des Studiums vermied ich tunlichst jede Begegnung mit Spinnenmännern oder -frauen. Biologie, das von mir gewählte Fach an der Uni, interessierte mich damals ausschließlich aus Sicht der Verhaltensforschung und ich sah mich eher als Konrad Lorenz look-a-like mit Graugänsen und anderen Säugetieren parlieren, als denn Ungeziefer erforschen.

Doch erstens kommt es anders zweitens als man denkt und schon fand ich mich als einziger erstsemestriger Freshman auf einer Exkursion mit routinierten Insektenkundlern wieder. Ohne weitere Erklärungen wurden kleine Glasröhrchen ausgeteilt und jedem ein Zettel mit der aufzusammelnden Tiergruppe in die Hand gedrückt. Auf meinem stand: Spinnen.

Ich wartete mit gewisser Neugier auf die mir noch zuzuweisende Schutzkleidung und speziellen Fanggeräte, musste jedoch feststellen, dass alle Kommilitonen einschließlich der Professoren ohne weitere Ausrüstung in der Gegend verschwanden. Mir erschien es völlig unakzeptabel, dass man als Student derartigen körperlichen Risken ausgesetzt wird und begann, um nicht unangenehm aufzufallen, den Stamm des nächsten Baums mit scheinbarem Interesse abzusuchen. Hilfreiche Mitstudenten gaben mir jedoch ungefragt gute Tipps, so dass ich bald tatsächlich einer kleinen Allerwelts-Wolfsspinne gegenüberstand, die ich mit Hilfe meiner Mitschrift und noch mehr Erde in das Röhrchen hineinackerte, was mir seitens des Assistenten in völliger Verkennung der übermenschlichen persönlichen Leistung bloß die sarkastische Bemerkung "Oh, eine Erdbestattung" eintrug.

Das schließlich auf zwanzig Semester angeschwollene Studium finanzierte ich mir zunehmend durch meine Tätigkeit als Naturführer, wobei es mir zur täglichen Routine wurde, die unterschiedlichsten Spinnen in die Hand zu nehmen und dem Publikum unter die Nase zu halten.

Nicht nur das Glück, auch die Erinnerung ist ein Vogerl und so war mir während eines von mir geleiteten Jugendferiencamps vollkommen entfallen, welche panische Angst ich ursprünglich vor Spinnen gehabt hatte. Ein paar Kinder nervten mich nachhaltig mit der Frage, was man tun müsste, um Naturführer zu werden. Um sie endlich loszuwerden, behauptete ich, dass der Aufnahmetest darin bestünde, eine Spinne über die Zunge laufen zu lassen. Meine Vermutung war richtig gewesen, angeekelt drehten die Fieselschweife ab. Ich hatte ganze Sache bereits vergessen, als nach einigen Tagen ein aufgeregter Trupp Kinder angewanzt kam. In ihrer Mitte hielten sie einen ziemlich stocksteifen Burschen, der trotz herausgestreckter Zunge immer wieder den Satz "If bfin bfereit" hervorstieß. Ich wurde darüber aufgeklärt, dass er nun - nach tagelanger mentaler Vorbereitung - für den großen Naturführeraufnahmespinnentest bereit wäre. Die Spinne hätten sie auch schon mitgebracht. Und ehe ich mich herausreden konnte, wurde versucht, diese unter großem Gekreische dem Naturführeramtsanwärter auf die langsam austrocknende Zunge zu applizieren. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung seinerseits, denn die Spinne tat alles, um sich im eigentlichen Sinne des Wortes abzuseilen. Schlußendlich berührte sie dann doch für mindestens eine hundertstel Sekunde die juvenile Zungenoberfläche. Ein kleiner Schritt für die grüne Krabbenspinne, ein großer für das Selbstbewusstsein.

Bernd Püribauer   |   Peter Iwaniewicz

Ja, hinter dem Namen Bernd Püribauer verbirgt sich tatsächlich ein sechzehnköpfiges Monster!

Der Stil seiner Zeichnungen zum "Tier der Woche" enstand aus der Verwendung der Computermaus, mit der er die Illustrationen für den Falter in den ersten Jahren zeichnete.

Einige, aus den anderen fünfzehn seiner sechzehn Köpfe entstandenen Werke sind unter www.pueribauer.com zu sehen und zu hören.
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