Wien, wie es isst...

 

Wien, wie es frühstückt

Ob zeitig in der Früh oder am Nachmittag, ob traditionell oder international, vegan oder deftig: das Frühstück ist längst mehr als schlichte erste Nahrungsaufnahme, ist soziales Event.

VON BARBARA HAIDER & DANI TERBU, WWW.DIEFRUEHSTUECKERINNEN.AT

Während Frühstück noch vor wenigen Jahren großteils aus einem schnellen Kaffee und einem belegten Brot oder Kipferl bestand und fast ausschließlich zur schnöden Nahrungsaufnahme diente, ist die erste Mahlzeit des Tages inzwischen ein soziales Event geworden, das vor allem am Wochenende richtiggehend zelebriert wird. Man trifft sich mit Freunden und Familie zum Frühstück oder Brunch, ist ständig auf der Suche nach neuen, hippen Locations und traut sich inzwischen auch abseits vom traditionellen Wiener Frühstück an „exotischere“ Speisen. Wie zum Beispiel Schakschuka, die orientalische Variante der Eierspeise, Schafsjoghurt mit Ahornsirup und Minze oder Pancakes mit frischen Früchten, Zitronen und Mascarpone. Die frühmalzeitliche Kreativität mancher Lokale kennt inzwischen kaum noch Grenzen.

Das Frühstücksverhalten der Stadtbewohner ist nämlich genau so unterschiedlich wie das nunmehr umfangreiche Angebot. Die Early Birds suchen Lokale, die schon vor acht Uhr öffnen, damit sie in Ruhe ihr Frühstück genießen oder den ersten Geschäftstermin des Tages ins Frühstückslokal verlegen können, die Nachtschwärmer lassen sich auch noch gerne um 15 Uhr ein Katerfrühstück schmecken, die Qualitätsbewussten legen Wert auf Herkunft der Produkte und geben dafür auch gerne ein paar Euro mehr aus. Und immer mehr Frühstücksuchende freuen sich über Lokale mit vegetarischem oder veganem Angebot beziehungsweise Alternativen bei den diversen Unverträglichkeiten. Nicht zu vergessen die traditionellen FrühstückerInnen, die sich auch am Morgen am liebsten in einem Wiener Kaffeehaus aufhalten und sich beim Lesen der Tageszeitungen einen Einspänner und eine Buttersemmel gönnen, oder die frühstückende „Next Generation“, die von ihren Eltern an den neuen „Trendsport Frühstücken“ herangeführt wird – viele Lokale reagieren darauf mit Frühstücksangeboten für Kinder: Spielecken, Wickeltische, Kinderbetreuung und Hochstühle, den FrühstückerInnen von morgen soll es an nichts fehlen!

Weil die Nachfrage stetig zunimmt und das Außer-Haus-Frühstücken nach wie vor boomt, schießen Frühstückslokale nur so aus dem Boden und versuchen sich punkto Angebot, Ausstattung und Coolnessfaktor gegenseitig zu übertrumpfen. Und sperren teilweise auch fast so schnell wieder zu, denn das Frühstückspflaster ist ein hartes!

Glücklicherweise ist die Auswahl aber dennoch groß genug für jeden Geschmack, und so gönnen sich Freunde von Boboville ihr Frühstück etwa im jungen Liebling, das mit Berliner Style und originellen Frühstückskombis wie „FrokØst“, „Taube“ oder „Speck og æg“ punktet. Außerdem beliebt: die im Sommer 2013 eröffnete Labstelle, die sogar Flying Frühstück bietet, das Marks in der Neustiftgasse, hübsch & sympathisch zugleich, und das Zweitbester, das ein paar Bezirke weiter am Samstag zum Brunchen einlädt. Kleine Auswahl, aber sehr gute Qualität – empfehlenswert!

Die Wiener Märkte lösen sich noch nicht so ganz vom orientalisch determinierten Kichererbsen-Frühstücksangebot, man findet aber auch einige Perlen: Der „Schrittesser am Tormarkt“ bietet Speck, Wurst & Marmeladen direkt vom Kärntner Bauern, das Einraum am Brunnenmarkt erfreut mit kreativen Kombinationen wie „Ein/Traum/Frühstück“ inklusive hausgemachter Bergpfirsich-Lavendel-Marmelade oder „Huan Lee’s Frühstück“ mit Räucherlachssashimi auf warmen roten Bohnen. Neu und versteckt ist die Nelke am Volkertmarkt – klein, fein und der beste Schafskäse der Stadt!

Definitiv am Vormarsch sind die vegetarischen beziehungsweise veganen Frühstückslokale – allen voran das Tian in der Innenstadt, das die Fleischverweigerer vom verstaubten Öko-Image befreit und mithilfe kreativer Speisen (Bauernbrot mit Avocadocreme, Apfel-Honig-Couscous!) Lust auf mehr Gemüse macht. Den Müslifans sei ein Besuch im Corns n’ Pops auf der Gumpendorfer Straße empfohlen – die gar nicht faden Müslikreationen für alle Anlässe und Bedürfnisse („Umstandsmaier“, „Fräulein Wichtig“ oder gar „Hochadel“) gibt es auch „to go“.

Wien ist ein Dorf, manchmal glücklicherweise aber auch Weltstadt. Daher gibt es auch Frühstück mit internationalem Touch: bei Silent Cook Simon Xie Hong im ON Market frühstückt man in gestyltem Ambiente etwa Bao Zi Germtaschen, Nudelsüppchen oder Shanghai-Rührei. Im zweiten Bezirk macht man es sich im Sommer unter alten Plantanen im Café Ansari gemütlich und verkostet dort mutig „Adscharisches Khatschapuri“. Und in der Pure Living Bakery herrscht lässiges und gemütliches Coffeehouse-Feeling fast wie in Kalifornien, man hat die Wahl zwischen Brownies, Cookies, Pancakes, Kuchen und Bagels mit unterschiedlichen Belägen.

Wer dem Trubel in der Stadt entfliehen möchte und ein entspanntes Plätzchen im Grünen sucht, wird frühstücksmäßig in der Meierei Gaaden fündig: Die kleine Frühstücksauswahl („Wiener Frühstück“, diverse Eigerichte und Brote) punktet mit großartiger Qualität und Produkten aus der Region. Außerdem wird man bestens betreut und kann nach dem Frühstück noch ein Schläfchen in der Hängematte machen. Wen es mehr Richtung Wasser zieht, dem können wir das Seecafé Podersdorf ans Herz legen: Auch hier wird viel Wert auf Herkunft und Qualität gelegt und die selbstgemachten Mehlspeisen alleine sind schon eine Reise wert – auch wenn der Neusiedlersee zwar ums Eck liegt, man ihn aber nur spürt, nicht sieht.

Wer die Wahl hat, hat die Qual! Damit man sich im Wiener Frühstücks­dschungel zurechtfindet, gibt es auf www.diefruehstueckerinnen.at verschiedene Kategorien und Specials, die den richtigen Weg zum passenden Frühstückslokal weisen. Inzwischen nicht mehr nur in Wien, sondern auch in Graz, Linz und Salzburg.

Die Top 25 der FrühstückerInnen:

Liebling, 7., Zollergasse 6, Tel. 01/990 58 77, Di–Sa 11–2 Uhr

Füllte Sommer 2012 die letzte gastronomische Lücke in der Zollergasse. Charmanter Baustellen-Flair, hip und frisch.

Labstelle, 1., Lugeck 6, Tel. 01/236 21 22, www.labstelle.at,
Mo–Sa 10–2 Uhr

Zweitbester, 4., Heumühlgasse 2, Tel. 01/945 93 86,
www.zweitbester.at, tägl. 11–2 Uhr

Fröhliches Lokal-Projekt im ehemaligen Grind-Espresso. Der Brunch ist Kult, der Cheeseburger und das Two-Gender-Klo ebenfalls.

Marks, 7., Neustiftgasse 82/Ecke Zieglergasse, Tel. 01/522 32 90,
www.restaurant-marks.at, Mo–Sa 10–24, So 8.30–23 Uhr

Nelke, 2., Volkertmarkt 38–39, Tel. 01/996 20 67, www.nelke.at,
Mo–Sa 10–22 Uhr

Neues Markt-Lokal am Volkertmarkt und dort erstes Auftreten urban-alternativer Lokalkultur. Sehr entspannt, es gibt Frühstück und Salat.

Einraum, 16., Yppenmarkt, Stand 153–155, Tel. 0699/13 33 77 88,

www.ein-raum.at, Mo–Do 11–23, Fr, Sa 9–23 Uhr

Schrittesser am Tormarkt, 6., Naschmarkt 130, Tel. 0650/332 02 13,

www.schrittesser.at, Mo–Sa 8.17–23.28 Uhr

Winziges Kabäuschen am Naschmarkt, das aber ein wirklich feines Programm an Kärntner Spezialitäten führt.

Tian, 1., Himmelpfortgasse 23, Tel. 01/890 46 65, Di–Sa 12–24,

www.tian-vienna.com, Frühstück Sa 9–11 Uhr

Erste Veggie-Adresse in Österreich. Das Normal-Programm ist eher gourmetmäßig ausgelegt, der Brunch ist locker.

Frühstück bei mir, 4., Wiedner Hauptstraße 31, Tel. 0664/851 99 24, www.frühstückbeimir.com, Mo–Fr 8–14 Uhr

Lokal-Partnerschaft mit einer ungarischen Vinothek, sehr intimer, kleiner Laden, vegetarisches Frühstück.

Corns n’ Pops, 6., Gumpendorfer Straße 37, Tel. 0664/131 20 05,
www.cornsnpops.com, Mo–Fr 7.30–17, Sa 9–16 Uhr

Österreichs erstes Müsli-on-demand-Geschäft, man kann auch vor Ort der Flocken-Obst-Nuss-Mischung frönen.

Café Menta, 3., Radetzkyplatz 4, Tel. 01/966 84 23, www.cafementa.at, tägl. 8–24 Uhr

Frisches, neues Café mit zum Teil großartiger Küche am gastronomisch bisher kaum genutzten Radetzkyplatz. Guter Impuls.

ON Market, 6., Linke Wienzeile 36, Tel. 01/581 12 50, www.on-market.at, tägl. 7–2, Frühstück 7–16 Uhr

Der hotteste Asiate dieses Jahres: Die aktuelle ON-Filiale ist riesengroß und wunderschön. Breit gefächertes Programm von Asia-Frühstück über Tapas bis Shanghai-Küche.

Pure Living Bakery, 7., Burggasse 68, www.purelivingbakery.com,

Mo–Fr 8–20, Sa, So, Fei 10–20 Uhr

Neue Dependence der Hietzinger Milchkaffee-Zentrale. Etwas urbaner, etwas schräger, hübsch.

Café Ansari,2., Praterstraße 15, Tel. 01/276 51 02, www.cafeansari.at, Mo–Sa 8–23, So 9–15 Uhr

Das zweite Lokal von Nana Ansari, wie schon im Madiani wird auch hier Frühstück großgeschrieben. Allerdings auf mehr und hübscherem Platz.

Landtmann’s Jausen Station, 13., Schloss Schönbrunn, Kronprinzengarten, Tel. 01/241 00-380, www.landtmann-jausenstation.at,
März–Okt. tägl. ab 9 Uhr (bis Parksperre)

Familie Querfeld übernahm die alte, hübsche Meierei im Kronprinzengarten, renovierte und modernisierte.

Kunsthallencafé, 4., Treitlstraße 2/Karlsplatz, Tel. 01/587 00 73,
www.kunsthallencafe.at, tägl. 10–2 Uhr

Frühstücksklassiker. Wird in den nächsten Monaten mit neuer Küchenlinie auf sich aufmerksam machen. Grandiose Terrasse.

Manameierei, 17., Exelbergstraße 32, Tel. 01/480 51 72,
www.manameierei.com, Sa, So 9–19 Uhr

Die Wienerwald-Meierei-Idylle stand bei Redaktionsschluss gerade zum Verkauf, soll aber auch dann genauso hübsch und idyllisch weitergeführt werden.

Meierei Gaaden, 2531 Gaaden, Anningerstraße 5, Tel. 02237/81 43,
www.meierei-gaaden.at, Fr–So, Fei 10–20 Uhr

Das Meierei-Paradies auf Erden. Einziger Nachteil: Man kommt nur mit dem Auto hin.

Seecafé Podersdorf, 7141 Podersdorf, Seeweingärten III/2, Tel. 0699/
10 75 61 22, www.seecafe-podersdorf.at, Mi–Sa 8–20, So, Fei 9–18 Uhr

Podersdorf goes Venice Beach. Frisches, junges, unkompliziertes Strand­café mit Produkten aus der Region.

Meierei im Stadtpark, 3., Am Heumarkt 2a, Tel. 01/713 31 68,

www.steirereck.at, Mo–Fr 8–23, Sa, So 9–19 Uhr

Das beste Frühstück der Stadt. Definitiv. Man sollte unbedingt reservieren und sich dann auf Wohlgeschmack gefasst machen.

Hollmann Salon, 1., Grashofgasse 3/Heiligenkreuzerhof,
Tel. 01/961 19 60-40, www.hollmann-salon.at, Mo–Fr 8–23, Sa 9–23 Uhr

Café Motto am Fluss, 1., Franz-Josefs-Kai/zwischen Marienbrücke
und Schwedenbrücke, Tel. 01/252 55-11, www.motto.at/mottoamfluss, tägl. 8–2 Uhr

Der Platz ist wirklich grandios, Blick auf Donaukanal und Donaukanal-Skyline, Reling, Sonnendeck. Allergie gegen beautiful people sollte man nicht haben.

hiddenkitchen, 3., Färbergasse 3, Tel. 01/276 83 98, www.hiddenkitchen.at, Mo 11–16, Di–Fr 8–16 Uhr

Wiens unkomplizierteste und beste Salat- und Quiche-Adresse macht nicht nur Mittagessen, sondern auch sehr New Yorker Frühstück.

phil, 6., Gumpendorfer Straße 10–12, Tel. 01/581 04 89, www.phil.info, Mo 17–1, Di–So 9–1 Uhr

Antiquarische Möbel, gute Bücher und Platten, Pellini-Espresso aus der Faema-Maschine. Mehr Bobo geht nicht mehr, trotzdem sehr gut.

Café Engländer, 1., Postgasse 2, Tel. 01/966 86 65,
cafe-englaender.com, Mo–Sa 8–1, So, Fei 10–1 Uhr

Unter Wiens Kaffeehäusern das mit dem besten Essen. Und dem coolsten Publikum. Und dem besten Frühstück.


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