Vor 20 Jahrenim Falter

Vorwort | aus FALTER 32/98 vom 05.08.1998

... sinnierte Heinz über das Recht, ein Fensterbrett zu besitzen.

Die Tatsache, daß es den vollkommen normalen und gesunden Menschen nicht gibt, sollte ja hinlänglich bekannt sein. Jeder hat seinen Vogel. Der eine sammelt Briefmarken, der andere bemalt Hauswände, dem nächsten wiederum bereitet es höllisches Vergnügen, alte Damen mit rosa Zahnbürsten zu bewerfen.

Nun mag es niemanden verwundern, daß ich an einem warmen Sommertag auf meinem Fensterbrett sitze und sinniere. Zu meiner Linken ein Abgrund vier Stockwerke tief, Dächer, die dazugehörigen Häuser, irgendwo in der Ferne das Stahlbeton-Skelett des Allgemeinen Krankenhauses. Zu meiner Rechten ein Abgrund, der zwar nur 80 Zentimeter aufweist, den aber meine Eltern aus unerklärlichen Gründen für den absoluten Tiefpunkt menschlicher Existenz halten, meine Wohnung.

Abrupt werde ich durch die Türglocke aus meinen Gedanken gerissen. Ich verlasse das Fensterbrett und gehe zur Tür. Ich drücke die Schnalle nieder, werde zur Seite


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