Standpunkt: Offizier und Dissident

Politik | aus FALTER 32/98 vom 05.08.1998

Für mehr Spaß wird gesorgt sein: Wiener Kommunalpolitik war noch nie so langweilig wie in den ersten eineinhalb Jahren der rot-schwarzen Koalition. Eine neue Gemeinderatsfraktion, wie sie der FPÖ-Dissident Rüdiger Stix gründen will, kann nur zur Belebung im Rathaus beitragen - auch wenn sich die Mehrheitsverhältnisse nicht entscheidend verschieben werden. Mehr als ein bißchen FPÖ ärgern wird für Stix und seine Mitstreiter allerdings nicht drinnen sein. Das nationalliberale Lager in der Tradition von 1848, die der Offizier so gerne beschwört, macht im katholisch geprägten Wien ein paar Prozent aus - man erinnere sich nur an die Zeit vor Haider, als die Altblauen Erwin Hirnschall und Rainer Pawkowicz noch als Zwei-Mann-Fraktion im Gemeinderat hockten. Die Themen, mit denen Stix reüssieren will, sind zudem auch nicht taufrisch. Entbürokratisierung und mehr Sicherheit fordern schon genug Parteien. Der Spuk wird nach den Gemeinderatswahlen 2001 deshalb vorbei sein - wenn Stix nicht noch ein populäres Zugpferd auftreibt. Wer, außer Baumeister Richard Lugner, könnte einem da einfallen? Ein seltsames Paar: der auf Gesinnungstreue so bedachte Stix und der ideologische Nullgruppler Lugner. Die Ehe wird aber kaum zustande kommen. Denn Stix mag vielleicht Lugner brauchen. Doch Lugner braucht Stix nicht. G.J.


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