Stadtrand: Entgegnung

Stadtleben | aus FALTER 32/98 vom 05.08.1998

Vergangene Woche gab es an dieser Stelle Ausführungen von S.N. zum Thema Sommer. Ausführungen, die so nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Kollegin S.N. lobte nämlich den Sommer. Zunächst. Und zum Schein. Wenige Zeilen danach jedoch bedachte sie all jene mit Schimpf, die den Sommer genießen, ohne dabei sich selbst, Haustiere oder zahnende Kinder zu knebeln. Weil Kollegin S.N. die Begriffe "lebendige Großstadt" und "Totenstille" gerne gleichzeitig im Munde führt. Doch absoluter Ruhe als erster Bürgerpflicht - und allererstem Bürgerrecht - darf nicht auch noch in diesem Druckwerk eine Lanze gebrochen werden. No paseran, Gehsteighochklapper! Nur langsam erholt sich die Stadt von den post-ZIB-alen Nachtruheverordnern der siebziger Jahre, wird lebendig, fröhlich, lacht und singt. Auch abends. Und das ist gut so. Eine Stadt, in der man sommers nicht hört, daß ihre Bewohner sich darüber freuen, bei offenem Fenster das Leben genießen zu können, hat wenig Liebenswertes. "Mediterranes Flair" nennen das viele - und reisen nach Süden, um, zurück in Wien, ebenjene Lebenszeichen zu beklagen. S.N. kaufe ich Ohropax. Sollte aber der Branntweiner unter meiner Wohnung wieder einmal eine Karaoke-Party feiern, borge ich mir S.N.s "Supersoaker" aus. T.R.


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