Mary Poppins in Favoriten

Sommerfrischen: Zweistundenurlaub in Wien, dritter Teil: Der Böhmische Prater ist ein Geheimtip für Freunde nostalgischer Ringelspiele und klassischer Wiener Küche.

Stadtleben | Thomas Rottenberg | aus FALTER 32/98 vom 05.08.1998

Vis-a-vis steht ein blinkendes, klingelndes, grellbuntes Ding und stört. Es paßt nicht. Weder zu den Bäumen dahinter noch zu dem Holzzaun nebenan, den Tom Sawyer dann doch nie fertiggestrichen hat. Und die Straße mit dem löchrigen Asphalt, die zu dem leicht rostigen Schranken führt, der nur wochenends den Autoverkehr aussperrt, schlägt sich auch mit dem Ding, aus dem Radio Energy in den ruhigen Sommertag plärrt. "Maximum Music. Maximum Music", wummert es von dem großspurig "Kinder Traumschleife" genannten Ringelspiel herüber. Das Ensemble wirkt, als wäre das Space Shuttle bei Otto Lilienthal gelandet. Doch statt sich mit dem ersten funktionstauglichen Gleitflugzeug einen Hang hinabzustürzen, bleibt der Freiherr hier auf festem Boden: Mit wildem Gerumpel - so laut, daß die "Westlich von Santa Fe"-Melodie des nebenan geparkten alten Münzschaukelpferdes kaum zu hören ist - holpern die Gummireifen der knarzenden Holzwägelchen der "Raupe" über ihre unebene, hölzerne Bahn. Immer


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