Bedient: Eine Vorführung

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 33/98 vom 12.08.1998

Normalerweise führen sie die Beschuldigten in den Gerichtssaal vor. Diesmal sitzen vier Justizwachebeamte vom Landesgericht für Strafsachen selbst auf der Anklagebank. Warum, können sie sich nicht erklären. Denn eigentlich hätten sie überhaupt nichts getan. Ein Häftling, "so ein kurdischer Geiselnehmer" - der mittlerweile von diesem Vorwurf freigesprochen wurde -, hat sich am Gang des grauen Hauses vor ihren Füßen fallen gelassen. Dabei hat er sich ein paar Rötungen, blaue Flecken und einen zerquetschten Daumennagel zugezogen. "Ein bisserl fester haben wir ihn schon angepackt", sagen die Beamten. Denn erst unlängst hätte ein Häftling mit einer Rasierklinge dem Kollegen beinahe den Hals aufgeschnitten: "Da muß man schon vorsichtig sein."

Blöd, daß beim "Vorsichtigsein" zufällig eine Krankenschwester vorbeigekommen ist. Daß sie ihre abendliche Runde durch die Zellen ausgerechnet an diesem Abend am anderen Ende des Gebäudes begonnen hatte. Daß sie dabei genau beobachtet


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige