Kommentar: Die Märchen, die ich meine

Markus Wailand | Kultur | aus FALTER 33/98 vom 12.08.1998

Es war einmal ein Wolf, der hat in böser Absicht sieben Geißlein gefressen, worauf ihm kurzerhand bei lebendigem Leib der Bauch aufgeschnitten wurde, um die Ziegen zu entfernen und stattdessen Steine hineinzutun. Eine Geschichte, die an unzähligen Kinderbetten allabendlich als Einschlafhilfe vorgetragen wird - ein Fall für das Jugendamt?

Toll trieben es auch die alten Griechen Homers, und selten wird wo schöner gemeuchelt als bei William Shakespeare, dessen Königsdramen noch heute kollektiv in Schulen gelesen werden. Jugend in Not? Nein, da sind wir ganz gelassen, denn schließlich haben wir alle gelernt, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. "Es ist ja nur ein Film!" ist eine dieser Selbstversicherungsformeln, die daran erinnern, daß Winnetou stirbt, Pierre Brice aber weiterlebt um Jahre später in ORF-Produktionen am Badesee wiederaufzuerstehen.

So einfach diese Unterscheidung ist, so plump und billig ist auch der jüngste Angriff der FPÖ auf Hermann Nitsch argumentiert:

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