Wisser und Wächter/Nach der Premiere: Blut und Spiele in Prinzendorf

Kultur | Patricia Grzonka / Prinzendorf | aus FALTER 33/98 vom 12.08.1998

Das Schlimmste an der Materie ist, daß sie so entsetzlich riecht. Zumal tot oder in verwesendem Zustand und bei 32 Grad Celsius im Schatten. Über Schloß Prinzendorf lag während der vergangenen Woche eine Duftwolke aus intensivem Sein. Blut, Exkremente, Trauben, Tomaten, Wein, Innereien, Fleisch. Die Wolke benebelte alle Sinne, so daß man den von Hermann Nitsch wohl intendierten Trancezustand schon nach kurzem Aufenthalt im Schloßhof erlangte. "die spiele meinen eine verherrlichung der schöpfung und ein unbedingtes erkennen unserer geborgenheit im kosmos." Aber muß der Kosmos derart stinken?

Was den Besuchern so gewaltig entgegenschlug, gehörte für die abgebrühten Akteure des Spiels zum täglichen Brot. Nur einmal konnte man am Höhepunkt des sechstägigen Dramas drei der Darsteller dabei beobachten, wie sie selbst vor dem Gestank verwesender Gedärme zurückschreckten, nachdem sie die schützende Plastikplane von einem Holzbottich weggezogen hatten. Sie faßten sich aber schnell


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