Moderne Schmerzverwalter

Musik: Zwei Chronisten der emotionell verwahrlosten Vorhöllen unserer Zeit präsentieren in Wiesen ihre Versionen zeitgenössischer Blues-Entwürfe: Polly Jean Harvey und - zum ersten Mal in Österreich - Portishead.

Karl Fluch | Kultur | aus FALTER 33/98 vom 12.08.1998

Fast könnte man Portishead böse sein. Schließlich verhalfen sie 1994 mit ihrem Debüt-Album "Dummy" nicht nur dem TripHop zum kommerziellen Durchbruch, sondern verursachten auch eine Flut von schlecht- bis mittelinspirierten Kopisten. Wie die Maden im Speck nisteten die sich in jenen musikalischen Blaupausen ein, die das Duo aus der Nachbarschaft von Bristol geschaffen hatte: Scharen von Desktop-Musikern versuchten - mit der hörbar immergleichen Software - jene verschlurften Beats und sphärischen Gitarrenspuren nachzustellen, die sich nicht nur geschwindigkeitsmäßig im unteren Wahrnehmungsbereich befinden.

In der Hektik und der zelebrierten "Gefühlslosigkeit", mit der Techno jahrelang auf sein Publikum niederknüppelte, war jenes emotionelle Vakuum entstanden, das Portishead randvoll auffüllten. Selbst die Hardliner unter den Technoheads hatten irgendwo in sich ein Bedürfnis nach Ruhe entdeckt, das von Portishead, oberflächlich besehen, bedient wurde. Doch statt in einer Chillout-Zone,

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