Stadtrand: (D)ra(h)tlos

Stadtleben | aus FALTER 33/98 vom 12.08.1998

50 Minuten sind keine Zeit. Nicht, wenn die Sonne sticht, die Wespe schwirrt und auch Kellner Menschen sind. Da kann eine Pizza auch im schönsten Gastgarten schon fast eine Stunde brauchen. Und prinzipiell falsch daherkommen. Nicht, daß unsereins kleinlich scheinen möchte: Es ist wirklich imponierend, wie toll das Personal der Tribüne Krieau durch Funkgeräte untereinander und mit der Küche vernetzt ist. Auch wenn bloß drei Tische besetzt sind, läßt sich so trefflich wichtig sein und Chaos verbreiten. Nicht nur einmal, regelmäßig: Der Gast kommt, die Kellner funken. Das dauert. Nach zehn Minuten ist dann geklärt, wer zuständig ist. Der Gast bestellt. Dann ist Funkstille. Auch bei Nullbetrieb. Sollte irgendwann dann doch noch Essen kommen, ist unter Garantie alles falsch belegt. Fünf von acht Pizzen. Eine verschwand ganz im Äther. Sie haben extra ohne Sardellen geordert? "Papperlapapp, Fisch ist gesund!" Sie wollten Zwiebel? Mit Glück werden ein paar Zwiebelringe nachgelegt. Roh, versteht sich. Sie wollten Knoblauch? Der ist garantiert auf einer anderen Pizza gelandet. Banal - meinen Sie? Wenn es einmal passiert, sicherlich. Bei vier von vier Besuchen riecht das fast nach System. Auch wenn der Schaum beim Krügel tatsächlich nur zufällig oft schon vier Zentimeter unter der Markierung beginnt. T. R./C. W.


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