Stadtrand: Neulich im 37er

Stadtleben | aus FALTER 34/98 vom 19.08.1998

- Ja, da schau her! Grüß Gott!

- Grüß Sie! Fahren Sie in die Stadt?

- Nein, zu meiner Schwester.

- Zur Grete?

- Nein, zur anderen.

- Fahren'S da net in die falsche Richtung?

- Nein, ich steig' bei der Alser Straße um.

- Und wie geht's Ihnen?

- Na, ich war grad wieder beim Orthopäden, weil ich so Schmerzen hab'. Kommt alles von der Wirbelsäule, hat er gesagt. Jetzt hat er ein Röntgen machen lassen. Is' wahrscheinlich ein eingeklemmter Nerv.

- Aber Sie sind bei Appetit? Schaun'S meine Beine an. Ich weiß nicht, ob Ihnen das aufgefallen ist, aber ich bin ja so dick geworden. Unser Meinl is' nämlich umbaut worden, der hat jetzt so delikate Sachen dort. Dabei war ich ja nie dick, ich hab' immer Größe 38 gehabt, und jetzt ist mir Größe 42 zu klein. Einen Knopf hab' ich mir schon versetzen lassen müssen.

- Wie bei meiner Schwester, die ist erst 42 und ...

- Ja, die schaut ja auch schon so schlecht aus.

(Ein Handy läutet.)

- Mein Gott, diese Telefoniererei in der Straßenbahn, das ist doch wirklich nicht notwendig.

- Was heißt! Wie komm' ich dazu, daß ich mir die Gespräche von anderen Leuten anhör'. Na, ich muß jetzt aussteigen. Gute Besserung!

- Ihnen auch! S.N.


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