Wo der Wildbach rauscht

Sommerfrischen: Schöne, kleine Zwei-Stunden-Urlaubsorte müssen nicht immer alt sein: Der Umgehungsbach beim Kraftwerk Freudenau ist so jung, daß er noch nicht einmal eine Betriebsverordnung hat. Teil fünf der "Falter"-Sommerserie.

Stadtleben | Thomas Rottenberg | aus FALTER 34/98 vom 19.08.1998

Mäandern ist ein gutes Wort. Wenn ä, a und n Lippen und Mund zu einer Doppelwelle hinreißen, entsteht im Kopf ein Gefühl für die Bedeutung des Wortes: verspieltes Hin und Her, scheinbar entscheidungsschwache Verschlängelungen. Mäandern braucht Platz. Und die Freiheit, es dort tun zu können, wo es dem mäandernden Element gerade in den Sinn kommt. Mäandern kann man nicht verordnen, es geschieht. Manchmal allerdings kann der Mensch ein wenig nachhelfen - oder nachbessern. Dort, wo er selbst schon mit dem Lineal verbaut hat. Denn von sich aus käme die Natur nie auf die Idee, die Direttissima einzuschlagen. Weil die Gerade derart raumsparend und nützlich ist, daß sie keine Ecken, Nischen und Taschen übrigläßt, in denen Platz für anderes als Genormt-Geplantes ist. Und deshalb steht Roswitha Kobzina-Renner bis zur Hüfte im Wasser und schlichtet kleine Steine.

Bei 36 Grad im Schatten macht das nicht wirklich Spaß. Noch dazu dann, wenn es weit und breit keinen Schatten gibt. 45


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