Ist denn niemals Ruhe?

Seinesgleichen geschieht: Durch Psychologie und Paralyse zu Politik und Ökonomie: Geschichte einer fatalen Bewältigung.

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 35/98 vom 26.08.1998

Mit gespenstischer Selbstverständlichkeit nimmt ein wieder und wieder verdrängtes Problem immer gerade jene Gestalt an, die seiner geschichtlichen Epoche angemessen ist. Die Frage der Wiedergutmachung von Naziverbrechen, vor allem der Rückgabe arisierten Besitzes oder der Entschädigung dafür ist das jüngste Beispiel. Spätestens 1945 begann die österreichische Variante von Geschichtsverdrängung. Zuerst kam ein langes Wegschieben des Problems in den Zeiten der Nachkriegsnot. Wir brauchen unser Geld selbst, hieß es, unser Volk ist in Not. Nazis waren wir nur wider Willen, Schuld waren die Deutschen, sollen sich die mit den Nachfahren der ermordeten und mit den überlebenden beraubten Juden auseinandersetzen.

Dieses Wegschieben des Problems verband sich mit dem Schielen nach Wählerstimmen, schließlich hatten die Nazis, die wir nicht waren, die Möglichkeit, jetzt demokratische Parteien zu wählen. Österreich habe zwischen den Kriegen gar nicht existiert, da es von den Nazis ausgelöscht


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