Presseschau

Medien | Armin Thurnher | aus FALTER 35/98 vom 26.08.1998

Wolf Martin habe ich einmal den Bruce Willis der Lyrik genannt. Letzten Samstag rechtfertigte der lyrische Muskel des rabiaten Kleinbürgertums dieses Prädikat in sozusagen durchschlagender Form: Franz Fuchs hat sich wohl schon gedacht, / Dies sei es, was er falsch gemacht: / Daß nicht, auf Meister Nitschens Weise, / damit ihn die Kulturwelt preise, / die Bomben, die er expedierte, / er als Aktions-Kunst deklarierte. Was will uns Wolf Martin damit sagen? Nitsch dürfe einem Menschen gleichgesetzt werden, von dem zumindest die Krone längst vor jedem Gerichtsurteil weiß, daß er Menschenleben, Körperverletzungen und die Terrorisierung eines Landes auf dem Gewissen hat? Oder, daß wo Blut spritzt, auch Terror herrscht? Oder, daß Aktionisten straflos Menschen töten dürfen? Oder, daß Peymann und seine Schickeria-Kollegen nach Oberwart nur gereist sind, weil sie mit Franz Fuchs nicht verhabert sind? Darf man einen Muskel, der zu solchen Kurzschlüssen neigt, einen Kurzschließmuskel nennen? Vermutlich nicht. Wäre auch ungerecht. Wolf Martin wollte uns nur darauf hinweisen, daß Hermann Nitsch Einzeltäter ist.


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