Wunder dauern etwas länger

Theater: Über Inszenierungen von Robert Lepage und Stefan Bachmann bei den Salzburger Festspielen.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 35/98 vom 26.08.1998

Der Meister muß mal. Die Szene ist Arizona, wir schreiben das Jahr 1929, und Frank Lloyd Wright löscht den brennend heißen Wüstensand mit seinem Wasser. Genau 30 Jahre später wird er tot sein, und noch einmal 25 Jahre später wird seine Asche genau hier, in der Wüste von Arizona, von den Winden verweht werden. Aber derzeit plagen Wright ganz andere Sorgen. Die Blase drückt, und dann ist da noch dieses splitternackte Teufelchen, das zwei Hörner und einen sagenhaften Schnurrbart im Gesicht trägt, sich Beelzebub nennt und ihm seine Jugend zurückverspricht, wenn er folgendes Rätsel löst: Wie zeichnet man in einem Strich eine räumliche Figur? Ohne zu zögern krakelt Wright die richtige Antwort - eine Spirale - auf die Tafel.

Diese kleine Parodie auf Doktor Faust und Mephisto ist der Prolog zu Robert Lepages neuem Stück "Geometry of Miracles", mit dem der kanadische Wunderregisseur (siehe Interview im Falter 34/98) auf der Perner-Insel in Hallein bei den Salzburger Festspielen debütierte.


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