Le Pen ist ein Wichser

Film: 90 Minuten lang ist Tony Gatlifs "Gadjo dilo" ein wunderbar schwereloser Film, der Kultur und Leben der Roma aus unüblicher Perspektive beleuchtet.

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 35/98 vom 26.08.1998

Auf der Suche nach einer Sängerin verschlägt es Stéphane nach Balteni, einer Romasiedlung nahe Bukarest. Die Musik Nora Lucas, deren Spur er bis hierher gefolgt ist, hat sein Vater kurz vor seinem Tod gehört. Der junge Franzose findet im bescheidenen Hause Izidors Aufnahme, einem der Dorfälteren, dessen Sohn Adriani wegen Diebstahls gerade für sechs Monate im Gefängnis sitzt. Die übrigen Einwohner begegnen dem Fremden mit einigem Mißtrauen: Die einen prophezeien, daß er sich, die Tasche voll mit Hühnern, davonstehlen wird, die andern fordern, der Landstreicher solle schleunigst zurückgehen - nach Deutschland oder Belgien oder wo er sonst hergekommen ist.

"Gadjo dilo", zu deutsch etwa "der verrückte Fremde", dreht das Verhältnis zwischen "Außenseiter und kulturell Vertrautem" um, indem er in spielerischer Weise die Perspektive der Roma übernimmt. Stéphane beherrscht weder Rumänisch noch die Sprache der Roma, und Sabina, die als einzige im Dorf des Französischen mächtig


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