Unser Mann in Hannover

Porträt: Gerade noch im PS 1 in New York, bald bei der EXPO 2000 in Hannover - jetzt auf Besuch in Wien: Martin Fritz, Kulturproduzent.

Kultur | Markus Wailand | aus FALTER 35/98 vom 26.08.1998

Der Dow-Jones-Index hatte ihn eigentlich nie interessiert. Nicht solange er im heimatlichen Kärnten und wenig später in Wien erste Ausstellungen oder Theaterproduktionen organisierte, und auch nicht bei nächtelangen Diskussionen, ob es nun eine unethische Handlung wäre, ein Bild zu verkaufen. Vieles hat sich seither geändert im Leben des heute 35jährigen Martin Fritz - im Gastgarten eines Cafés am Wienfluß hat er den aktuellen Tageskurs des New Yorker Börsenbarometers ansatzlos zur Hand: "So um die 8500 Punkte. Dabei ist er vor sechs Wochen noch um die 9300 gewesen."

Wer dahinter nun die "Vom Freak zum Börsenbroker"-Geschichte vermutet, liegt falsch. Bloß hat Fritz in seinem Job als "director of operations" am New Yorker Ausstellungszentrum PS 1 schnell erfahren, welchen Stellenwert die Börsenkonjunktur vor Ort für eine Kunstinstitution hat. Das internationale Finanzkapital als Produktionsbedingung des Kunstfeldes - mit dieser Betriebswahrheit hat Fritz bald umzugehen gelernt.


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