Shopping mit Sis(s)i

Kommerz: Am 10. September jährt sich die Ermordung von Kaiserin Elisabeth zum hundertsten Mal - und alle freuen sich: die Lebensmittelindustrie, der Fremdenverkehr und Menschen auf der Suche nach Sinn.

Kultur | Oliver Hochadel | aus FALTER 35/98 vom 26.08.1998

Der Regisseur Ernst Marischka hat mit seiner Sissi1-Trilogie wohl mehr für den österreichischen Fremdenverkehr getan als alle Tourismusverbände zusammen. "Bei jungen Menschen in der EU zählt Sisi (...) laut Umfrage zu den Begriffen, die ihnen heute spontan am häufigsten zu Österreich einfallen. Ältere Gäste aus aller Welt bedauern seufzend, in Wien Sissi (...) alias Romy Schneider nicht live begegnen zu können" (homepage austria-tourism). Im Verdrängungsjahrzehnt der Fünfziger hoben die Filme bewußt nicht auf Franz Josef ab - das hätte unliebsame Assoziationen an Politik und Krieg heraufbeschwören können -, sondern auf die herzige, junge Kaiserin. Andererseits beteuern viele Frauen, daß ihnen die Film-Sissi Mut gemacht habe, ihren eigenen Weg zu gehen. Kitsch und emanzipatorisches Potential schließen sich nicht aus.

Auch wenn mitunter die reine Beliebigkeit zu regieren scheint, ist es doch die schillernde und oft widersprüchliche Vielfalt an Versatzstücken und Images,


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