Rohes ohne Zurechtbäckerei

Literatur: Friederike Mayröcker setzt sich und ihr neues Buch "brütt oder Die seufzenden Gärten" von der letzten Zeile an aufs Spiel.

Kultur | Wendelin Schmidt-Dengler | aus FALTER 35/98 vom 26.08.1998

Wer sich auf Friederike Mayröckers Werke einläßt, muß von Mal zu Mal auf Überraschungen gefaßt sein: Zwar begegnet einem dem Stile nach Vertrautes, doch entscheidend ist jeweils das Prinzip, nach dem die einzelnen Textelemente organisiert sind. Diese Texte zwingen zu den "fruchtbarsten Anstrengungen" (Goethe), da sie den Leser durch eine Radikalität herausfordern, die sich mitunter, wie in vorliegendem Falle, auch auf schockierende Weise manifestiert. "brütt oder Die seufzenden Gärten" - der Titel läßt ahnen, daß es vielleicht etwas roher, als wir es gewohnt sind, zugehen wird: "brut", französisch "roh", kennt man in unseren Breiten meistens als Attribut des Champagners: Die etwas rohe grafische Eindeutschung "brütt" macht darauf gefaßt, daß wir es mit Rohem, mit Rohmaterial zu tun bekommen und mit einer Prosa, die die Schreibenden und die Lesenden nicht schont.

Dem Umfang nach gehört auch dieses Werk zu Mayröckers "großer Prosa", zu jenem erstaunlichen Unterfangen, dem


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