Phettbergs Predigtdienst (Nr. 320): Größter Selbsthasser Gott

... bei all deinem Tun bleibe bescheiden, und du wirst mehr geliebt werden als einer, der Gaben verteilt ... Sir 3,17-18. 20. 28-29 (19-21. 30-31) (1. Lesung am 22. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr C)

Stadtleben | aus FALTER 35/98 vom 26.08.1998

Jeden Mörder sehe ich ein, jeden Selbstmörder spreche ich heilig. Längst habe ich mich zum Tode verurteilt. Oh käme doch ein gewogener Nitsch, mich zu tranchieren. Ich kann mir selbst nicht mehr verzeihen. Ich, der automatische Verlierer, habe den Gewinnern den Krieg erklärt, und jetzt, wo ich naturgemäß verloren habe und gebührend im Rinnsal liegengelassen wurde, hasse ich mich, weil meine Ideologie der Verlorenheit so vollendet aufgegangen ist. Käme ich zurückgekrochen, zerstörte ich meinen Dom. Bleibe ich im Rinnsal, wird meinen Dom niemand bemerken. Und ohne Publikum ist Leiden armselig.

Außerdem bin ich nichts als eine Gegenprobe für ihre richtige Rechnung. Ich hasse mich ohne Ende. Mein Dom ist ihr Kot. Meine Spintisierereien haben die Beiläufigsten unter ihnen längst als Irrtum durchdacht, als sie sieben waren. Und ich bin sechsundvierzig. Das kleinste Kind ist weiser als ich. Ich habe keine Chance, mein Gesicht zu wahren. Nur ganz Große, Weise, Herzensgütigste werden


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