Wien ist anderswo

Sommerfrischen: In Unterlaa ist Wien die Stadt hinter dem Berg. Das wußten schon die Römer. Teil sechs der Zwei-Stunden-Urlaubs-Serie des "Falter".

Stadtleben | Thomas Rottenberg | aus FALTER 35/98 vom 26.08.1998

Unten, am Südrand, ist es beinahe herbstlich. Abgeerntete Felder, Stroh, das in schaumrollenartigen Walzen am Straßenrand liegt, und Vogelschwärme, die knapp über den nach Simmering ansteigenden Hügeln Tiefflugmanöver abhalten, verkünden, daß die Augusthitze bereits die Nachbrenner aktiviert hat. Staubig ist es trotzdem. Und der böige Wind trägt nicht nur das beinahe gehetzt wirkende Läuten der Oberlaaer Pfarre über die Felder, er wirbelt auch den Staub immer wieder auf, der sich hinter Radfahrern, Spaziergängern und sogar Kinderwägen sonst nur kurz in der Luft halten könnte. Es ist ruhig auf dem Radweg am Liesingdamm. Und das soll so bleiben. "Pst", sagt die Großmutter, die gerade den Kinderwagen zur Bank vor der Kapelle geschoben hat. "Pst, die Kleine soll schlafen." Dann sagt sie nichts mehr und blättert in Prinzessinnenmagazinen - ein Album mit altbekannten Familienfotos.

Die alte Frau und das Kleinkind sind allein vor der Malteserkirche St. Johann. Ab und zu knirscht


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