Bedient: Das Kreuzerl, Forts.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 36/98 vom 02.09.1998

Zumeist wird an dieser Stelle über Beamte gemeckert. Heute wird ein bißchen gelobhudelt. Ein bißchen. Die Sicherheitsdirektion Wien hat - wie letzte Woche an dieser Stelle gefordert - einem Beamten der Fremdenpolizei auf die Finger geschaut und seine merkwürdigen Rechtsansichten korrigiert. Die Vorgeschichte: Mona M. lebt seit Jahren in Österreich. Ohne Visum. Obwohl ihr Mann und ihre drei Kinder über eine Aufenthaltserlaubnis verfügen, sich legal in Österreich aufhalten, hat die Behörde Mona kein Visum erteilt. Daß sie dennoch bei ihren Kindern bleiben, sich um sie kümmern möchte, ist nicht schwer zu verstehen. Die Fremdenpolizei ist dennoch besorgt. Sie witterte in diesem Zustand eine Vorstufe des Terrorismus. "Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit der Republik Österreich" kreuzte der Beamte in seinem Computerbescheid an und verfügte "zum Schutz der öffentlichen Interessen" ein fünfjähriges Aufenthaltsverbot. Die Kinder (eines ist erst zwei Jahre alt) wären von einem Elternteil getrennt worden. Die Sicherheitsdirektion hob diesen rechtlichen Unsinn nun auf: Die familiären Interessen würden eine derart lange Verbannung nicht rechtfertigen. Die Gefahr, Österreich fünf Jahre nicht betreten zu dürfen, ist abgewendet. Trotzdem muß die Lehrerin jederzeit damit rechnen, in ihrer Schule vor den Kindern festgenommen und in Schubhaft genommen zu werden. Denn einen Visumantrag, um endlich legal hierbleiben zu können, kann sie nur bei der österreichischen Botschaft in Kairo stellen. Von dort wird er dann nach Österreich geschickt - und danach wieder zurück nach Kairo. Irgendwie muß man die Frau ja doch sekkieren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige