Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 36/98 vom 02.09.1998

Arbeitslosigkeit ist ohne Zweifel eines der drängenden Probleme von heute (und morgen). Für das Theater aber ist sie nur bedingt ein Thema: Die Ursachen lassen sich kaum szenisch darstellen, die Auswirkungen sind unter Umständen zwar dramatisch, aber auch nicht unbedingt bühnenwirksam. Mit einem Trick (es geht um arbeitslose Spitzenmanager) ist es dem Schweizer Autor Urs Widmer gelungen, der Problematik dennoch ein Erfolgsstück ("Top Dogs") abzuringen. Die Wiener Regisseurin Karin Koller wird es demnächst in der Drachengasse inszenieren; im dietheater Künstlerhaus ist in der Zwischenzeit zu sehen, was ihr selbst zum Thema eingefallen ist. Ihr gemeinsam mit dem Dramaturgen Jens Knorr und dem Ensemble geschriebenes Stück heißt "aranü" und ist eine sogenannte "Farce". Fünf Langzeitarbeitslose (lauter "Typen") sind in einem Obdachlosenheim untergebracht und kultivieren dort ihre Ticks. Nach dieser mäßig unterhaltsamen Exposition und einer unnötigen Pause folgt der (Holz-)Hammer - der Staat macht den Arbeitslosen ein unmoralisches Angebot: Geld oder Leben. Möge es nie soweit kommen! Arbeitslosigkeit ist ein Problem, das dringend gelöst werden muß. Und sei es nur, damit uns beinharte Proteststücke wie dieses erspart bleiben.


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