Das Kino auf der Couch

Kunst: Die Ausstellung "Ghost Story" lüftet anhand von Kunstwerken das wahre Geheimnis des Kinos: die unheimliche Leerstelle zwischen den Bildern.

Kultur | Vitus H.Weh | aus FALTER 36/98 vom 02.09.1998

Was für eine wunderbare Herbstausstellung! Mit "Ghost Story. Nachbilder des Kinos" zeigt das Künstlerhaus am Karlsplatz, kurz bevor es seine Räume wieder für ein halbes Jahr dem Kunsthistorischen Museum abtreten muß, eine Inszenierung, die der kommenden Jahreszeit ausgezeichnet entspricht: Es geht um das Erfülltsein nach einem langen Leben, um Abschiednehmenmüssen und Melancholie.

Die These der Ausstellung ist so überraschend wie raffiniert: Just zu einem Zeitpunkt, da die Filmindustrie wieder einmal boomt, wo überall neue riesige Kinokomplexe gebaut werden und die Zuschauer- und Einnahmerekorde nur so purzeln, verkündet sie, daß das Kino technisch veraltet sei, beerbt wird durch neue Spektakel-Multimedia, und daß daher nun die Trauerfeierlichkeiten und die ehrenden Nachrufe beginnen könnten.

Diese Pointe gilt es auszukosten: Das kulturell dominante Duo Film und Kino, das seit seiner Entstehung vor hundert Jahren die übrige bildende Kunst nachhaltig in die geschützten Werkstätten


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