Standpunkt: Fahr- und Zahlscheine

Politik | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Es stimmt schon, was Finanzstadträtin Brigitte Ederer sagt: Irgendwer muß zahlen. Nicht nur das Defizit der Wiener Linien, sondern ganz allgemein und generell. Und "irgendwer" ist in der Regel der Steuerzahler. Das weiß man. Wenn Brigitte Ederer am Donnerstag die neuen Tarife bei den Wiener Linien bekanntgeben wird, kann sie auch damit argumentieren, daß irgend jemand für das Minus der Öffis aufkommen muß. Denn schon bisher trägt die öffentliche Hand 52 Prozent der Bim-Kosten, in Summe über vier Milliarden Schilling (plus Investitionskosten). Um durchschnittlich zehn Prozent werden die Tickets teurer. Weil sonst das Angebot der Öffis eingeschränkt werden müßte. Daß Kurzparkscheine dagegen aber seit 1986 nicht teurer geworden sind, Autoabstellen im Vergleich zum Fahrscheinezwicken wieder attraktiver wird, habe damit nichts zu tun: Kurzparkgelder helfen schließlich nicht, die Wiener Linien zu finanzieren. Stimmt leider. Das Signal ist aber deutlich: Teurere Öffis und konstante Parktarife besagen, daß selber schuld ist, wer Straßenbahn fährt - und sich nicht wehrt, wer sich das Verkehrsmittel nicht aussuchen kann. Die Autolobby ist in Wien einflußreicher als jene der Öffi-Benutzer. Den besseren Draht haben die Automobilisten auf jeden Fall: Verkehrsstadtrat Fritz Svihalek ist Wiener ARBÖ-Präsident. T. R.


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