"Nicht die Finger verbrennen"

Justiz: Wiens erster Mafiaprozeß verläuft merkwürdig: Ein Mordangeklagter wird trotz eindringlicher Warnungen der Polizei nicht verhaftet. Wichtige Zeugen mit guten Beziehungen werden nicht geladen. Geschworene werden vom Richter gefährdet. Anwälte legen ihr Mandat zurück.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Michael Sika, Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit und oberster Mafiaermittler, tobte: "So kann man keinen Mafiaprozeß führen. Die Justiz glaubt im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein. Ich werde nach dem Verfahren beim Justizminister protestieren." Der Zorn des sonst so zurückhaltenden Mafiaermittlers ist verständlich: In den ersten drei Tagen im Verfahren gegen die mutmaßlichen Mörder des georgischen Mafiapaten David Sanikidse (er wurde 1996 in der Annagasse erschossen) agierte der Drei-Richter-Senat unter der Leitung von Wilhelm Mende tatsächlich seltsam.

In ihrem Eröffnungsplädoyer hatte die Staatsanwältin noch mit bunten Overheadfolien die Geschworenen vor der Verflechtung der Russenmafia mit Österreichs Mächtigen gewarnt. "Die organisierte Kriminalität", rief sie in den Saal, "sitzt mit einer Tarnkappe unter uns."

Sie irrte. Die Russenmafia saß zwar im Saal, doch ohne Tarnkappe. Ein aus Ungarn angereister Prozeßbeobachter löste bei den Beamten der EDOK


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