"Grüne sind unpolitisch"/THOMAS PRADER: Stratege a.D.

Politik | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Thomas Prader mischt das Blatt. Professionell, versteht sich. Zwei gleich große Stöße, und die Karten rattern einzeln durch die beiden Daumen, falten sich sauber zu einem neuen Stoß. Prader ist Meister des Tarockierens. "Seit zehn bis 15 Jahren habe ich an keinem Abend mehr verloren", erzählt er.

In der Rolle des Strategen sah sich der 44jährige gebürtige Mödlinger auch als Landessprecher der Wiener Grünen. Seit 31. März 1996 versuchte er das grüne Chaos zu strukturieren, was nicht immer gelang. Nach der Gemeinderatswahl 1996 schwelte in der Öko-Partei wochenlang der Konflikt Christoph Chorherr gegen Peter Pilz. Prader war an der Ablöse von Pilz als Klubobmann nicht unbeteiligt.

Eigentlich gilt der linke Anwalt mit bürgerlichen Wurzeln aber als Integrationsfigur. Prader führte im Herbst 96 deshalb auch die Verhandlungen mit Bürgermeister Michael Häupl über ein rot-grünes Arbeitsübereinkommen. Was hoffnungsfroh begann, entpuppte sich später als eine der größten Enttäuschungen im politischen Leben Praders (s. Interview).

Als einen Erfolg sieht Prader hingegen den Aufbau der jungen grünen Hoffnungsträgerinnen Maria Vassilakou und Eva Glawischnig. Letztere soll künftig nicht nur als Umweltsprecherin im Nationalrat sitzen, sondern auch ihrem Förderer als Landessprecherin nachfolgen.

Zuletzt lief die interne Arbeit für Prader weniger reibungslos als früher: Seine Vertraute in der Wiener Parteizentrale, Michaela Sburny, wurde im Frühjahr 1998 Bundesgeschäftsführerin. Mit ihrem Nachfolger als Landesgeschäftsführer, Martin Margulies, war nicht mehr alles so einfach.

Die Zeit Praders als Parteistratege ist vorbei. Auch beim Kartenspielen wendet er sich neuen Tugenden zu. Manche Nacht schlug er sich schon in Pokerrunden um die Ohren. Und das Glücksspiel, das ihm seine Kinder beigebracht haben, fand er auch lustig. Das Spiel heißt "Orschloch".

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