"Zum Speiben"

Flüchtlinge: Der Unfallchirurg und Sportmediziner Herbert Geisl hat ein Monopol in der Begutachtung von Folteropfern. Zum Nachteil vieler Asylwerber, kritisieren Flüchtlingshilfsorganisationen.

Politik | Simon Kravagna | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Erst ein Tritt in die Hoden. Dann ein Schlag auf den Hinterkopf. Polizeialltag in der Bürgerkriegsprovinz Kosovo. Wenige Wochen später ist Rasim A.* in der Ordination des Unfallchirurgen und Sporttraumatologen Herbert Geisl. Die Polizei, so gibt der Asylwerber an, habe ihn brutal gequält. Geisl diagnostiziert tatsächlich eine "Vorwölbung" der Haut in der Scheitelregion. Gewalt? Nicht unbedingt. Der Asylwerber hätte sich, so sein Gutachten, "theoretisch auch den Schädel an einem harten Gegenstand angeschlagen haben können".

Izmet R.* - ebenfalls Asylwerber aus dem Kosovo - wurden Schußverletzungen am Oberschenkel bestätigt. Allerdings, so die Schlußfolgerung von Geisl, könnten die nicht wie angegeben von Auseinandersetzungen bei einer Demonstration, sondern von einem "Jagdunfall" stammen. In einem Gegengutachten bemerkte der Mediziner Siroos Mirzaei von Hemayat, einem Verein zur Betreuung von Folterüberlebenden, deshalb nicht ohne Ironie: Man könne ja noch weitere Möglichkeiten


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige