Kommentar: Des Schneiders neue Kleider


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Ich kann Robert Schneider verstehen. Ich finde, das ist schon einmal was. Ein erster zögerlicher Schritt, mit dem ich - den Pickel meines Herzens in den klammen Händen - der Selbstvergletscherung entgegentrete. Er wird mir nicht leicht gemacht. Als ich neulich in der Redaktionssitzung irgend etwas zugunsten des "sensiblen Mannes" äußerte, schlug mir das geballte Hohngelächter aller anwesenden Frauen entgegen. "Warum gehen wir so achtlos miteinander um, wo wir doch so ungemein auf der Hut sind voreinander?" fragt Schneider. In Momenten der Schwäche frage ich mich das auch.

Es ist leicht, sich über Robert Schneider lustig zu machen. Schneider scheint das zu wissen. Die tiefere Botschaft seines vorige Woche erschienenen Spiegel-Essays lautet: Es ist so leicht, sich über jemanden lustig zu machen. Schon hat der Leser jede Beißhemmung verloren. Die Wandlung zum Luftgänger muß jedoch jüngeren Datums sein. Noch vor kurzem ätzte Schneider in einem Leserbrief an die Vorarlberger Nachrichten,

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