Im Reich der Zeichen

Nachruf: Akira Kurosawa, der Philosoph des Zweifels, ist tot. In Japan waren seine Filme erfolglos, im Westen wurden sie gefeiert beides war ein Mißverständnis.

Kultur | Georg Seesslen | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Akira Kurosawa - sein Name ist Zeichen und Erinnerung eines ganz anderen, längst vergessenen Kinos: eines Kinos der Meister. In den Zeiten, als man noch auf einen neuen Film von ihm wartete, ging man mit dem Gefühl ins Kino, sich einer existentiellen Erfahrung, einer philosophisch-ästhetischen Lektion auszusetzen. Es war ein Hunger nach der Erkenntnis einer Innenansicht der Welt im Kino. In seinen Filmen war etwas zu haben, was es in der westlichen Kultur zu dieser Zeit einfach nicht gab, eine Klarheit und Leere, eine Reinheit, die sich auch die bedeutendsten Filmemacher Europas und Amerikas immer wieder verbauen mußten. Kurosawa-Filme waren wie durchsichtig, sie zeigten in einer souveränen Geste, daß das Kino genau das ist, als was es erscheint: das Bild auf der Leinwand.

Akira Kurosawa ist in einer sehr traditionellen japanischen Lebenswelt aufgewachsen - und hat zugleich deren Zerfall erlebt. Als Kendo-Schüler, dem der Vater die langwierige und schon damals als "sinnloser" Luxus


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