Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Jetzt geht's los, hemmungslos, rettungslos: Die erste Burgtheater-Premiere der jungen Spielzeit war zwar keine richtige Premiere, dafür aber umso schöner. Christoph Marthalers Offenbach-Inszenierung "Pariser Leben", eine Koproduktion der Wiener Festwochen mit der Berliner Volksbühne und der Burg, läuft nach der etwas verunglückten Festwochen-Premiere (Sänger Christoph Homberger hatte seine Stimme verloren) jetzt auch im Repertoire - und ist seit damals um (noch) eine Klasse besser geworden. Die Abonnenten und der Krone-Kritiker (der leider neben mir saß) waren not amused; alle anderen sollten sich diesen hellen Schwachsinn, diesen lustvollen Abgesang auf die Lust nicht entgehen lassen: Rette sich, wer Cancan!

In einem der wenigen Kleinkunstlokale, das heuer keinen runden Geburtstag feiert, in der Kulisse also, begab sich die erste Kabarett-Premiere der Saison. Das neue, vierte Programm von Günther Paal hat keinen Titel und konsequenterweise auch keinerlei Inhalt. Die formale Eleganz dieses virtuellen Programms, in dem es knapp zwei Stunden lang tatsächlich um nichts geht, ist durchaus beeindruckend. Ich kann bloß nicht ganz nachvollziehen, was daran a) komisch und b) "philosophisch" sein soll. Gern würde ich allerdings sehen, wie dieses Programm von Harald Sicheritz verfilmt wird.

Die erste Volkstheater-Premiere des Theaterjahres ist immer ein Stück mit einer starken Frau im Titel: Diese liebgewordene Gewohnheit dürfte aber schon der einzige Grund gewesen sein, Carlo Goldonis Komödie "Mirandolina" auf den Spielplan zu setzen - jedenfalls haben weder Regisseur Michael Schottenberg noch sein Ensemble besonders triftige Gründe anzubieten. Nach Freyers "Diener zweier Herren" am Burgtheater ist das jetzt schon die zweite Goldoni-Pleite in einem Jahr. Mal sehen, was Einar Schleef ("Trilogie der schönen Ferienzeit", Premiere Ende November an der Burg) daraus macht.


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