Aufgeblättert

Kultur | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Zwei renommierte Schriftsteller unternehmen einen Ausflug über den großen Teich und in ein Genre, das gemeinhin der U-Literatur zugerechnet wird. Der Engländer Martin Amis legt mit "Night Train" einen toughen Thriller vor, der in der Hard-boiled- Tradition verwurzelt ist: Detective Mike Hoolihan ist schon lange dabei, hat vieles durchgemacht und fast alles gesehen. Am Telefon wird er oft mit "Sir" angesprochen - ein Irrtum, denn: "Ich bin auch eine Frau." Mike erzählt in "Night Train" retrospektiv über ihren "schlimmsten Fall", den Tod der Astrophysikerin Jennifer Rockwell, die sich mit einer 22er in den Mund geschossen hat. Dreimal. Das gibt's, aber der "Nichts-stimmt-Fall" macht Mike hellhörig und Jennifers Geliebten verdächtig. Der Reiz des kurzen Romans liegt zweifelsohne in der Hauptfigur und ihrer Sprache. Die coole Abgebrühtheit des Jargons ("Mord ist der große Daddy") stellt aber nicht nur die Übersetzung vor Probleme, er kippt auch immer wieder in kitschige Sentenzen


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