Wühlkiste der Erinnerung

Literatur: Michael Köhlmeiers ursprünglich für den "Kurier" verfaßte Geschichten und G'schicht'ln sind zwar nicht wirklich zu einem Roman zusammengewachsen, als anekdotisches Porträt einer Generation aber knüpft "Bevor Max kam" an die beste Tradition des Feuilletons an.

Kultur | Alfred Pfoser | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Michael Köhlmeiers Erzähleifer scheint unersättlich und unbegrenzt. Er durchfurcht die Zeiten, von der Antike über das Nibelungen-Mittelalter bis zur Gegenwart, er durchstreift die Kontinente von Grönland bis Italien, von Vorarlberg bis Wien, er taucht als Bundesrhapsode in allen Medien auf. Jetzt ist er, der "Zugraste" aus Hohenems, verblüffenderweise dort angelangt, wo seit der erfolgreich überstandenen Türkenbelagerung die österreichische Literatur ihren legendären Wohnsitz hatte: im Wiener Kaffeehaus.

Für alle, die es übersehen haben, daß der Kurier ein ganzes Jahr jeden Samstag eine davon druckte, liegen die Kaffeehausgeschichten jetzt in gesammelter Form vor. Sie als Roman zu bezeichnen, wie es der Verlag tut, ist übertrieben, auch wenn es sich begründen läßt. Immerhin gibt es eine handverlesene Zahl von Figuren, die regelmäßig ins Café kommen und ihre Geschichten zum besten geben. Der Erzähler, unverkennbar eine Kopie des Autors, ordiniert regelmäßig in einem


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