Kunst kurz

Kultur | Markus Wailand | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Russisches Rot "Am Anfang des 18. Jahrhunderts setzt mit dem großen Reformwerk von Zar Peter dem Großen die Verwestlichung Rußlands ein. Neben die Übernahme westlicher Verwaltungsformen tritt der Kampf gegen traditionelle Trachten und Gebräuche sowie die Orientierung an der europäischen Kunst." Eine Reflexion über den westlichen Einfluß auf das Rußland der Zarenzeit, wie sie in diesem Zitat anklingen mag, darf man sich von der Ausstellung "Die Farbe Rot in der russischen Kunst" im Kunstforum der Bank Austria dann aber doch nicht erwarten. Die Schau wartet zwar immer wieder einmal mit Akzenten auf - etwa der Gegenüberstellung der "schönen Ecke" (jenem Ort in russischen Bauernhäusern, wo die zur Ausstattung gehörende Ikone plaziert war) und des "schönen Eckchens" (mit kommunistischen Propagandamaterialien bestückte Räume in öffentlichen Institutionen). Insgesamt jedoch tritt die Vermittlung des historischen und politischen Kontexts zugunsten verschiedenster Malereien zurück, in denen immer wieder mehr oder weniger viel rote Farbe verpinselt wurde; die Chance auf jene Brisanz, die eine Auseinandersetzung mit dem Color-Code hätte haben können, wurde vertan. Was bleibt, ist ein Sonntagnachmittagspaziergang durch ein paar Jahrhunderte russischer Kunstgeschichte entlang eines in diesem Fall buchstäblich roten Fadens.

Rot-Weiß-Rot Ebenfalls auf der Freyung, im Palais Harrach, zeigt die Bank Austria einen Auszug aus ihrer Sammlung von Werken zeitgenössischer österreichischer und Künstler. "Dies also gibt es also", könnte man frei nach Wolfgang Max Faust lapidar bemerken, wenn sich zimmerweise Aktionisten, Realisten, "Wirklichkeiten", Achtziger-Jahre-Malerei und Ona-B.-Installationen aneinanderreihen. Offen bleibt die Frage, ob dieses Kunstengagement noch auf ein Ziel (eine zweite Sammlung Schömer?) ausgerichtet ist, oder ob es bloß die Macht der Gewohnheit ist, die diesen Katalog österreichischer Kunstproduktion fortschreiben läßt.


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