Stadtrand: Temperaturklau

Stadtleben | aus FALTER 37/98 vom 09.09.1998

Plötzlich war es nicht mehr da. Und erst da bemerkte ich, wie automatisch Bewegungen werden können. Und wie wichtig eine Zahl sein kann. Diese kleine Rechtsdrehung mit dem Kopf, wenn einen die U-Bahn am Schwedenplatz ausspuckt: Ja, es friert wirklich. Das kleine Nach-links-oben-Schauen an der Kreuzung Praterstraße/Praterstern: Der Schal war vielleicht doch nicht notwendig.

Nicht, daß die Zahlen je wirklich überraschend gewesen wären: War es kalt, hatte das zuvor ohnehin bereits der Wetterbericht im Radio, das Thermometer am Küchenfenster und die Haut an der Luft gemeldet. War es heiß, ebenso. Aber die Routine, neben den Köck-Schildern am Dach bestätigt zu sehen, daß es immer noch meßbare Temperaturen gab, hatte etwas Beruhigendes. Und eines Tages, plötzlich und ohne Vorwarnung, war es dann vorbei: Aus Köck war Cosmos geworden, Rot war Gelb gewichen - und die Thermometer auf den Hausdächern waren verschwunden. Nicht einmal die Uhren hatten die Monteure zurückgelassen.

Das ist jetzt zwei Wochen her. Und immer noch dreht sich mein Kopf im Vorbeigehen unbewußt in Richtung Köck- Cosmos-Haus. Aber das werde ich mir abgewöhnen. Und den Namen Cosmos ganz, ganz schnell vergessen. T. R.


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